Motherland
Von Mansa Musa bis Black Panther: Eine persönliche Reise durch 500.000 Jahre afrikanische Geschichten
- Buch
- Pepera, Luke
- Aufbau, 2025. - 332 Seiten
Luke Peperas Auseinandersetzung mit afrikanischen Geschichte beginnt spätestens im Sommer 2012, reflektiert der in Ghana geborene und in Oxford ausgebildete Anthropologe, Archäologie und Historiker eine irritierende Jugenderfahrung im ghanaischen Nationalmuseum bei der Recherche für ein Schulprojekt: Ähnlich wie im Geschichtsunterricht oder im medialen Diskurs beschränkte sich selbst in Accra die Darstellung von afrikanischer Geschichte weitgehend auf Kolonialvergangenheit sowie transatlantischen Sklavenhandel und marginalisierte die vorkolonialen Jahrtausende als auch die Gegenwart zugunsten europäischer Präsenz und Ausbeutung. Mithilfe ghanaischer Professor_innen begann der Schüler Pepera eine Spurensuche, die er später beruflich fortsetzte. „Motherland“ ist gut zehn Jahre später das Zwischenergebnis dieser Reise durch 500.000 Jahre afrikanischer Geschichte(n), Identitäten und Kulturen. Eingangs diskutiert Pepera grundlegende Gedanken seines Unterfangens und argumentiert die Entscheidung gegen eine chronologische Ordnung der Materie: „Vor allem aber entsprechen chronologische Darstellungen der Geschichte nicht dem, wie viele afrikanische Völker ihre Vergangenheit verstanden habend und weiterhin verstehen. Für uns gibt es kaum einen Unterschied zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Was für andere in der „Vergangenheit“ geschah, geschieht für uns noch immer.“ Anstelle einer linearen, chronologischen Ordnung mit Periodisierungen und klaren Abfolgen erzählt Pepera in 10 thematisch strukturierten Kapiteln vom Reichtum afrikanischer Zivilisationen, kulturellen Praktiken und prägenden Figuren. So kontrastiert der Autor die vermeintliche Leerstelle vorkolonialer Geschichte mit dem Wissen über Macht und Weltoffenheit westafrikanischer Reiche im Mittelalter, erklärt unterschiedliche Beziehungen zwischen sterblichen und spirituellen Welten oder rekonstruiert, wie „Hautfarbe“ erst spät zu einem Kriterium der Exklusion und Identifikationsmerkmal in rassistischen Gesellschaften gemacht wurde. Peperas Panorama umspannt dabei alle afrikanischen Großregionen und berücksichtigt auch Diasporagesellschaften, darüber hinaus skizziert es vergangenen Ereignisse nicht als abgeschlossene Entwicklungen, sondern interessiert sich für Zusammenhänge und jene Transferprozesse, die Gesellschaften zu Kulturen machen. Dabei reflektiert er auch wirkmächtige Kategorien (etwa von Zeit, Raum oder Kultur) und nimmt in „Motherland“ durchwegs differenzierte Perspektiven ein. Überzeugend akzentuiert der Autor die Vielstimmigkeit, Komplexität und Dynamik afrikanischer Geschichte, streicht globalgeschichtliche Bezüge heraus und verbindet persönliche Gedankengänge mit wissenschaftlicher Präzision. Solcherart schließt „Motherland“ an eine Reihe rezenter Veröffentlichungen (etwa „Black History“ oder „Eine afrikanische Geschichte Afrikas“) für eine breite Öffentlichkeit an, die eine Neuerzählung afrikanischer Geschichte vollziehen und diese produktiv für die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen der Gegenwart aufbereiten.