Cover des Buches

Djahani, Maryam
Ungebremst durch Kermanschah
Bremen: Sujet, 2021. - 261 S.
ISBN 9783962020729

Frauen*solidarität-Signatur:

AR-DJA-01

Iran / Frauenarbeit / Geschlechterrolle / Frauenemanzipation

„Ich denke nicht daran, mich zu schämen“, stellt die Ich-Erzählerin Shohre auf einer der ersten Romanseiten schon mal klar. Wofür sollte sie sich auch schämen? Dafür, mit Anfang Dreißig geschieden zu sein? Kinderlos zu sein? Den Traumberuf Taxifahrerin verwirklicht zu haben? Platte Reifen selber wechseln zu können? Während der Fahrt HipHop und kurdische Rockmusik zu hören? Vielleicht würden sich diese Fragen gar nicht stellen, würde Shohre ihr Taxi namens „Elizabeth“ nicht durch die iranische Zwei-Millionen-Stadt Kermanschah lenken, in ihren Augen „ein Dorf“ mit „Bergbauern-Mentalität“. Maryam Djahani wurde nach der islamischen Revolution im Iran geboren und gehört damit zu einer Generation von Schriftsteller_innen, deren Bücher normalerweise nur dann auf Deutsch erscheinen, wenn sie exiliert oder geflüchtet sind. Djahani jedoch hat den Iran nicht verlassen, und der Roman ist nur zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung schon übersetzt. Gut so! Denn, wie die Journalistin Fahimeh Farsaie schreibt, stellt die Figur der Shohre ein Novum in der zeitgenössischen iranischen Literatur dar, weil sie nicht nur patriarchale Strukturen hinterfragt, sondern auch, was davon die Frauen* verinnerlicht haben.