Cover des Buches

Ruffato, Luiz
Sonntage ohne Gott
Hamburg: Assoziation A, 2021. - 118 S.
ISBN 9783862414819

ÖFSE-Signatur:

LA-RUF-01

Brasilien ; Geschichte ; Arbeiterklasse ; Sozio-ökonomisches Ungleichgewicht ; Erzählung

Mit „Sonntage ohne Gott“ legt der brasilianische Autor Luiz Ruffato den fünften und finalen Band seines Zyklus „Vorläufige Hölle“ („Inferno próvisorio“) vor. In diesem fünfbändigen Werk verschreibt sich Ruffato der brasilianischen Arbeiter_innenklasse und spannt ein Panorama des Proletariats im 20. Jahrhundert. Dessen chronologisches Ende ist mit „Sonntage ohne Gott“ in den 1990er-Jahren und an der Jahrtausendwende angesiedelt. Fiktionalisiert erzählt der Autor in sechs kurzen, „Fabeln“ genannten Texten von gesellschaftlichem Auf- und Abstieg, Landflucht und Prekariat. Ruffatos Figuren versuchen mit überschaubarem Erfolg, sich von Biografie und ruraler Herkunft loszusagen, folgen wiederholt verheißungsvollen Illusionen in die Sackgasse und bestreiten mühsame Alltagskämpfe in einem von Ungleichheiten, Nepotismus, Machismen und klassistischen Hierarchien geprägten Staat. Trotz desillusionierendem Grundtenor bleibt in „Sonntage ohne Gott“ jedoch auch Platz für episodische „Triumphbogenmomente“ und kleine biografische wie ökonomische Emanzipationserfolge. Eine solche – „Noch eine Fabel“ erzählt Ruffato in der letzten und längsten Kurzgeschichte, die deutliche autobiografische Parallelen aufweist und in welcher der Protagonist an der Startlinie eines Silvesterlaufs seinen gesellschaftlichen Staffellauf Revue passieren lässt. Dabei teilt Ruffato mit der Figur Luís Augusto nicht nur den in allen Vignetten präsenten Geburtsort Cataguases und die Binnenmigration nach São Paulo, sondern auch weitere biografische Konstellationen und Details. In einer eigenwillig-poetischen Ästhetik aus oraler Narration und typografischer Herausstellung gelingt dem brasilianischen Autor solcherart eine polyphone Chronik des (semi-)urbanen Proletariats, die ein feines Gespür für gesellschaftliche Verwerfungen und Machtverhältnisse besitzt. Ruffatos Fabeln sind insofern nicht lediglich anekdotische Prosatexte, sondern klassenbewusste Literatur.

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