Cover des Buches

al-Aswani, Alaa
Die Republik der Träumer
München: Hanser, 2021. - 464 S.
ISBN 978-3-446-26749-7

ÖFSE-Signatur:

AR-ASW-02

Arabischer Frühling Motiv ; Revolution ; Ägypten ; Gesellschaftsordnung

Zehn Jahre nachdem der arabische Frühling auf dem Kairoer Tahrir-Platz kulminierte, erscheint nun auch auf Deutsch „Die Republik der Träumer“, Alaa al-Aswanis literarische Auseinandersetzung mit den Geschehnissen (2018 auf Arabisch erstveröffentlicht). Der ägyptische Autor verhandelt dabei nicht lediglich einen spannenden Stoff aus künstlerischer Distanz, sondern verarbeitet implizit auch sein eigenes politisches Engagement: Alaa al-Aswani gilt als Protagonist des Oppositionsbündnisses Kifaya, das vor allem Mitte der 2000er-Jahre aktiv war und als wesentliche Vorläuferbewegung der Arabischen Revolution verstanden wird, und war selbst Teilnehmer der Proteste auf Kairos Straßen im Jänner 2011. Seit einigen Jahren lebt der Schriftsteller aufgrund wachsender staatlicher Repressalien im US-amerikanischen Exil, politische Kontroversen um seine Person betrafen darüber hinaus etwa temporäre Sympathien für die Muslimbruderschaft und anti-israelische Vorwürfe. Der Titel seines neuesten Werks „Die Republik der Träumer“ oszilliert dabei programmatisch zwischen Hoffnungen und deren Desillusionierung. In 73 Szenen entwirft al-Aswani ein reichhaltiges Figurenensemble, das Spannungsverhältnisse der ägyptischen Gesellschaft exemplarisch verdeutlicht und unterschiedliche Positionen verkörpert. Der Autor lässt Regimekader und Militärangehörige, Künstler_innen, Studierende und Lehrer_innen zu Wort kommen, rekonstruiert die Ereignisse sowie deren Nachwehen und bedient sich dabei unterschiedlichster Formate von der Zeugenaussage bis zum Liebesbrief, vielfach tragen lange Dialoge den Text und verleihen ihm verbale Konkretheit. Al-Aswani erzählt von politischen Erweckungsmomenten, subversivem Widerstand und schweren familiären Lasten. Alle mit der Revolution aufkeimenden Hoffnungen werden schlussendlich auch in „Die Republik der Träumer“ enttäuscht, lakonisch wird die Pflichterfüllung eines des Mordes an einem Demonstranten angeklagten Militärs konstatiert:
„»Der Freispruch für Sie und Ihre Kollegen ist eine Botschaft an alle ägyptischen Offiziere«, sagte er. »Ein Offizier, der Befehle ausführt, macht sich niemals strafbar. Übrigens, ich habe beschlossen, Ihnen eine Gehaltserhöhung außer der Reihe zu gewähren.« »Danke, Effendi. Unser Herr erhalte Sie.« Der General entließ ihn, und das Leben unseres Hauptmanns Haytham fand bald zurück in gewohnte Bahnen. Hadia arbeitete wieder in der Bank und holte dann Nadine und Islam aus dem Kindergarten ab, während Haytham wie gewöhnlich zu unterschiedlichen Zeiten Dienst tat.“

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