Cover des Buches

Klingholz, Reiner
Zu viel für diese Welt
Wege aus der doppelten Überbevölkerung
Hamburg: Edition Körber, 2021. - 353 S.
ISBN 9783896842862

ÖFSE-Signatur:

27986

Bevölkerungswachstum ; Ressourcenschutz ; Natürliche Ressourcen ; Umweltschutz ; Sozio-ökonomisches Ungleichgewicht ; Nachhaltige Entwicklung ; Konsum ; Klimawandel ; Deutschland

Im Untertitel verspricht der Demograf Reiner Klingholz „Wege aus der doppelten Überbevölkerung“. Mit jener Begrifflichkeit sucht der Autor danach, die ambivalenten Lebensrealitäten der Weltbevölkerung zu benennen und sowohl übermäßigen Konsum als auch Bevölkerungswachstum aus einer Nachhaltigkeitsperspektive zu problematisieren, ohne unhaltbare Zusammenhänge zu postulieren: „Beide Probleme der Überbevölkerung haben wenig miteinander zu tun, weshalb es keinen Sinn ergibt, die Schuld der Reichen und der Armen gegeneinander auszuspielen. Oder mit dem Finger auf Afrika zu zeigen, weil dort im Schnitt noch 5 Kinder je Frau zur Welt kommen und weiteres Bevölkerungswachstum programmiert ist. Das eine Problem ist eine Art anhaltende Bevölkerungsexplosion, das andere eine nicht enden wollende Konsumexplosion. Beides ist auf einem begrenzten Planeten nicht dauerhaft tragbar.“ Dabei sei die Menschheit eine vergleichslos erfolgreiche Spezies, verweist Klingholz auf technologischen Fortschritt, gestiegene Lebenserwartung und Wohlstandswachstum. „Zu viel für diese Welt“ läuft dabei doch nie Gefahr, zu einer undifferenzierten Fortschrittserzählung zu geraten, sondern behält stets die negativen Konsequenzen im Blick, die sich im Anthropozän deutlich wie nie zeigen: Der Erfolg der Menschheit ist teuer erkauft, werden etwa Umweltverschmutzung, neue Infektionskrankheiten und die Klimakrise in der Gesamtrechnung berücksichtigt. Die Lebensweise des Nordens tauge insofern weder als „Blaupause“ für den Rest der Welt noch als Strategie gegen „Überbevölkerung“, hält Klingholz fest und skizziert ein „Trilemma des Wachstums“: „Die Weltbevölkerung wächst, weil die Entwicklung in den armen Ländern nur langsam vorankommt. Um das Bevölkerungswachstum zu bremsen, brauchen sie mehr Entwicklung, also mehr Jobs, mehr Produktivität, mehr Wirtschaftswachstum, mehr Einkommen. Wo immer arme Länder diesen Aufstieg hinbekommen, wo sie Infrastruktur in Form von Straßen, Leitungssystemen, Wohnungen und Unternehmen aufbauen, steigen zwangsläufig der Energieverbrauch und der Verzehr von Rohstoffen aller Art. (…) Alles wächst, damit das Wachstum der Bevölkerung zurückgeht. Ein Problem wird gelöst, indem sich andere vergrößern. Bevölkerungszuwachs, steigender Energieverbrauch und Ruin der Ökosysteme gipfeln in einem Trilemma des Wachstums. Denn was immer geschieht, es kann nicht wirklich gut gehen: Zur Entwicklung der armen Länder gibt es keine Alternative.“ Technologiegläubigen Transformationsfantasien erteilt der Autor eine Absage – eine grüne Ökonomie hätte mit Nachhaltigkeit wenig zu tun, solange sie auf Wachstum baue. Doch was tun? Klingholz entwirft konkrete Szenarien, die er als realistisch erachtet, wobei auch weniger wünschenswerte Zukunftsentwicklungen nicht ausgespart bleiben. Abschließend formuliert er konkrete Ideen und Vorschläge für eine nachhaltige Welt, die sowohl auf Konsument_innen-Ebene ansetzen, als auch strukturelle und politische Forderungen beinhalten.

C3-Bibliothek für Entwicklungspolitik

Sensengasse 3
1090 Wien
+ 43 (0)1 317 40 10-200
bibliothek@centrum3.at

>> So kommen Sie zu uns

Unsere Öffnungszeiten

Mo-Di: 9.00-17.00 Uhr
Mi-Do:9.00-19.00 Uhr
Fr:9.00-14.00 Uhr

Vorwissenschaftliches Arbeiten im C3
> mehr Information