Cover des Buches

Schulz-Dornburg, Ursula; Zimmermann, Martin
Die Teilung der Welt
Zeugnisse der Kolonialgeschichte
Berlin: Wagenbach, 2020. - 160 S.
ISBN 9783803136978

ÖFSE-Signatur:

27777

Kolonialismus ; Lateinamerika ; Archiv ; Archivo General de Indias <Sevilla> ; Fotografie ; Bildband

Das in Sevilla angesiedelte „Archivo General de Indias“ bewahrt als Zentralarchiv des spanischen Staates Dokumente der Eroberung und Kolonialherrschaft auf. Unter den etwa 90 Millionen Dokumenten befinden sich auch Archivalien von hoher historischer Bedeutung, etwa das Logbuch von Kolumbus oder der Vertrag von Tordesillas. Auf diesen bilateralen Vertrag der portugiesischen Krone mit dem Königreich Kastilien, der die neu entdeckte Welt 1494 unter den beiden Vertragspartner_innen aufteilte, rekurriert der Titel des vorliegenden Bildbandes. Dieser enthält eine Fotoserie der deutschen Fotografin Ursula Schulz-Dornburg, die 2001 das Archiv bildlich dokumentieren durfte. Ihren Schwarz-Weiß-Fotografien geht es dabei nicht um die Mythisierung von historischen Archivalien in einem architektonischen Prunkbau, sondern um die Materialität der im Haus gesammelten Zeitdokumente und die Manifestation der Kolonialherrschaft in einem „papiernen Imperium“. Schulz-Dornburgs Bilder dokumentieren darüber hinaus ein Archiv, das es in dieser Form heute nicht mehr gibt: Wenige Jahre nach der Fotoserie wurde das Kronarchiv umfassend umgebaut, im Vordergrund steht nun nicht mehr die monumentale Zurschaustellung der Macht, sondern der konservatorische Erhalt historischer Archivalien und die digitale Erschließung für eine interessierte Öffentlichkeit. Umfassend eingeordnet und kontextualisiert werden die Fotografien durch den Historiker Martin Zimmermann, der sich in Essays mit der Kolonialherrschaft und ihren Konsequenzen auseinandersetzt. So widmet er sich etwa den gefährlichen Atlantik-Überseglungen, dem Machtrausch und der nicht zu stillenden materiellen Gier. Präzise arbeitet Zimmermann auch die Verstrickungen von imperialistischer Eroberung und der katholischen Kirche heraus. Vor allem aber wird den Perspektiven der Entdeckung Raum gegeben: Der Vertrag von Tordesillas markiert in diesem Zusammenhang den „Beginn einer globalen Weltsicht“, wenngleich diese globale Perspektive zunächst über Fragen der Aufteilung in Einflusssphären und koloniale Territorien verhandelt wurde. Geschildert werden Versuche der kartografischen und kulturellen Erfassung, Deutung und Teilung der Welt in ein zivilisiertes Zentrum und die wilde Peripherie. Solcherart befasst sich der vorliegende Band nicht mit einem bloßen Archiv der Kolonialherrschaft, sondern erzählt anhand dieses Monuments und seiner Inhalte anschaulich „von der Vermessung der Welt – und der Vermessenheit, sie ganz beherrschen zu wollen.“

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