Cover des Buches

Brand, Ulrich
Post-Wachstum und Gegen-Hegemonie
Klimastreiks, Krise der imperialen Lebensweise und Alternativen zur autoritären Globalisierung
Hamburg: VSA, 2020. - 254 S.
ISBN 9783964880277

ÖFSE-Signatur:

27697

COVID-19 ; Hegemonie ; Internationale Beziehungen ; Buen vivir ; Postwachstumsökonomie ; Aufsatzsammlung ; Klimakrise

Die Welt befindet sich in einer Konstellation multipler Krisen. Die Corona-Krise – Ulrich Brand bevorzugt aufgrund der umfassenden Tragweite den Terminus der Krise gegenüber jenem der Pandemie – bestätigt diesen Befund eindrucksvoll, ist aber letztlich nur eines von vielen Symptomen der Krisenhaftigkeit des Kapitalismus. Sie offenbart die Konsequenzen der imperialen Lebensweise besonders deutlich, zugleich zeigt sie die Instabilität gesellschaftlicher Verhältnisse und die Realisierbarkeit alternativer Modelle auf. „Post-Wachstum und Gegen-Hegemonie“ vereint Aufsätze des Politikwissenschaftlers Ulrich Brand, welche die hegemoniale Ordnung infrage stellen und Perspektiven zur Verwirklichung von Gesellschaftsutopien formulieren. Ein einleitendes Kapitel wurde dabei während des Lockdowns im Frühjahr 2020 verfasst und diskutiert mögliche Reaktionen auf die Corona-Krise. Brand kritisiert den autoritär-neoliberalen Corona-Kapitalismus, der als Krisenbearbeitung im Sinne der Eliten stabilisierend auf die imperiale Lebensweise wirkt. Dennoch erkennt er mögliche gesellschaftliche Lernprozesse und streicht hervor, welch umfassende Spielräume, Eingriffe und Maßnahmen politisch machbar werden, wenn einer Krise konsensuale Dringlichkeit zugeschrieben wird. Brand formuliert jedoch nicht nur in Bezug auf die Corona-Krise Perspektiven einer linken Politik, die für ihn „internationalistische Politik im Sinne einer Solidarität [ist], die auch für die Verbesserung der Lebensverhältnisse von Menschen in anderen Ländern und Weltregionen einsteht.“ Er knüpft an eine Vielzahl an Krisenerfahrungen weltweit an, beschäftigt sich mit sozialen Bewegungen bzw. Protestformen und setzt sich mit alternativen Wohlstandsmodellen auseinander. So wird etwa das ambivalente Verhältnis von Gewerkschaften zur sozial-ökologischen Transformation diskutiert, das „gute Leben für alle“ aus unterschiedlicher Perspektive gedacht oder für ein kritisch-weltgesellschaftliches Bildungsverständnis als emanzipatorisches Moment plädiert. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem lateinamerikanischen Kontinent, wobei insbesondere Lateinamerikas Linke und der Zyklus progressiver Regierungen („pink tide“) Aufmerksamkeit erhalten. In einem weiteren Beitrag wird das Entwicklungsmodell des Neo-Extraktivismus vorgestellt und nach Alternativen zu einer ressourcenintensiven Produktions- und Lebensweise gefragt. Brands hier versammelte Beiträge trachten nach einer Destabilisierung des destruktiven Kapitalismus und seiner gesellschaftlichen Hegemonie. Sie stellen konventionelle Vorstellungen von Wohlstand infrage, problematisieren den Wachstumsimperativ aus einer Degrowth-Perspektive heraus und suchen stets nach praktischen Ableitungen konkreter Krisenerfahrungen. Schlussendlich sei ein Aufbau gesellschaftlicher Allianzen von parteipolitischen, wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteur_innen, Gewerkschaften, Verbänden und sozialen Bewegungen notwendig, um progressive Initiativen politisch durchzusetzen. Der Erfolg einer nachhaltigen und systemischen Transformation sei entscheidend davon abhängig, ob es gelinge, in hegemoniale Machtverhältnisse einzugreifen und Diskurspositionen mit Gesellschaftsutopien zu besetzen.

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