Cover des Buches

Die Jugoslawienkriege in Geschichtskultur und Geschichtsvermittlung
Julia Thyroff et al. (Hrsg.)
Zürich: Chronos, 2020. - 230 S.
ISBN 9783034015820

ÖFSE-Signatur:

27726

Kollektives Gedächtnis ; Jugoslawienkriege ; Geschichtsunterricht

Die Migrationsgesellschaften Europas sind unter anderem geprägt von Menschen mit biografischen Bezügen zum ehemaligen Jugoslawien. Unterschiedliche Phasen und Migrationsanlässen dieser Dynamik lassen sich dabei ausmachen, angefangen von der Arbeitsmigration („Gastarbeiter_innen“) der 1960er- und 1980er-Jahre bis hin zur Flucht vor den Jugoslawienkriegen, ethnischen Konflikten und Perspektivenlosigkeit seit den 1990er-Jahren. Während heutige Schüler_innen zwar keine persönlichen Erinnerungen an die Zeit der Jugoslawienkriege mehr haben, so sind diese Ereignisse und ihre ambivalenten Nachwehen doch im öffentlichen Bewusstsein präsent und werden diskursiv ausverhandelt. Bezüglich der Kriege, aber auch hinsichtlich der beteiligten Akteur_innen sind dabei vielfältige und oft diametral gegensätzliche Vorstellungen virulent, nicht selten dominieren homogenisierende Stereotype und abwertende Darstellungen verschiedener Bevölkerungskollektive den Diskurs. Die postjugoslawischen Kriege der 1990er-Jahre stellten somit nicht nur in den Biografien der Migrationsbevölkerung eine einschneidende und nachhaltige Zäsur da, im Zuge dieser Konflikte vollzog sich auch eine Wahrnehmungsverschiebung der schweizerischen Mehrheitsbevölkerung in Bezug auf Menschen (ex-)jugoslawischer Herkunft. Dieser Shift kann als Stereotypisierung und Pejoration beschrieben bzw. als Imageverlust empfunden werden. Der vorliegende Tagungsband adressiert insofern Herausforderungen, die sich aus dieser komplexen Konstellation für den Geschichtsunterricht ergeben. Besondere didaktische Aufmerksamkeit verdient den Herausgeber_innen folgend dabei der Aspekt, dass unter den Schüler_innen vielfach auch solche mit biografischen Bezügen zum ehemaligen Jugoslawien sind, deren familiäre Erfahrungen und Erinnerungen im Unterricht aktiviert werden können. Die hier versammelten Beiträge befassen sich solcherart nicht nur mit geschichtswissenschaftlichen Grundlagen und allgemeinen didaktischen Zugängen zu Erinnerungskultur, sondern interessieren sich für die gesellschaftliche Einbettung des Geschichtsunterrichts und die Identifizierung von emanzipatorischen Potenzialen. Betrachtet werden aus Perspektive der Schweiz etwa unterschiedliche Perzeptionen während der Jugoslawienkriege oder des Kalten Kriegs, Stigmatisierungserfahrungen oder konkrete Manifestationen von Erinnerungskulturen. Didaktische Zugänge beziehen sich vorrangig auf Medien wie Spielfilme, Karikaturen oder Apps und fragen danach, wie sich anhand dieser der Unterricht identitätssensibel und historisch differenzierend gestalten lässt. Stets hegt „Die Jugoslawienkriege in Geschichtskultur und Geschichtsvermittlung“ dabei den Anspruch, unterschiedliche Erfahrungen zu reflektieren und Stereotype sowie Dichotomien zu dekonstruieren, um einen emanzipatorischen Geschichtsunterricht in der Migrationsgesellschaft zu verwirklichen.

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