Cover des Buches

Crouch, Colin
Der Kampf um die Globalisierung
Wien: Passagen, 2020. - 88 S.
ISBN 9783709204184

ÖFSE-Signatur:

27622

Marktwirtschaft ; Soziale Konflikte ; Sozialdemokratie

Wenngleich Protest und Widerstand gegen die Globalisierung in allen Teilen des politischen Spektrums beheimatet sein kann, so attestiert der britische Politologe Colin Crouch doch den rechten Positionen eine Führungsrolle in diesem Konflikt. Ein epischer Kampf zwischen Globalisierung und Nationalismus verändere die Welt und beseitige altbekannte Sicherheiten. Die ursprünglich noch Wohlstand für alle verheißende Globalisierung sei längst zum Symbol von Verlust geworden: Arbeitsplätze bzw. ganze Industrien verschwinden, die Einkommen stagnieren, Heimat- und Identitätskonstruktionen erodieren. Nationalistische Politiken mit einfachen Lösungsversprechen, protektionistischen Abschottungsversuchen und nativistischer Hierarchisierung stellen insofern ein attraktives Angebot an frustrierte Verlierer_innen der Globalisierung dar. Crouch stellt die Frage nach alternativen Antworten, die von einer progressiv orientierten Politik formuliert werden können. Zuvor allerdings rekonstruiert er die Herausbildung der Globalisierung und identifiziert im Wesentlichen vier Entwicklungsschübe: Die Etablierung des Welthandels im Zuge des europäischen Imperialismus hätte überhaupt erst die Grundlage für die Globalisierung geschaffen, eine zweite Globalisierungswelle sei nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Abschaffung der Zölle, dem GATT-Regime und dem europäischen Integrationsprojekt zu beobachten gewesen. Deregulierung und die Hegemonie des Neoliberalismus kennzeichneten die dritte Phase der Globalisierung, während seit der Erosion der bipolaren Weltordnung, dem Aufstieg der asiatischen Wirtschaftsmächte und der Deregulierung des globalen Finanzsystems ein vierter Abschnitt zu konstatieren sei. Crouch argumentiert nicht a priori gegen Globalisierung, vielmehr hielte er es für einen Fehler, diese aufhalten zu wollen: Die Rückkehr zu einer vorglobalisierten Welt sei ohnehin unmöglich. Sehr wohl aber plädiert er für Reformen und gestalterische Eingriffe in die Dynamik unter Rückgriff auf klassische sozialdemokratische Ideen. Ein besonderes Anliegen ist ihm die Stärkung demokratischer internationaler Institutionen, außerdem sieht er eine Beendigung des nationalstaatlichen Unterbietungswettkampfs in Sachen Steuern als nötig an. Abschließend greift er Dani Rodriks in „The Globalization Paradox“ formuliertes Trilemma auf, wonach die Welt die Wahl habe zwischen nationaler Souveränität, globalwirtschaftlicher Integration und Demokratie, die Verwirklichung aller drei Optionen zugleich aber nicht möglich sei. Crouch favorisierte Variante beinhaltet eine Abkehr vom extremen Beharren auf nationaler Souveränität. Zwar sei dies die am weitaus schwersten zu realisierende Option, doch scheint ihm diese als humanste und wünschenswerteste aller Kombinationen.

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