Cover des Buches

Figueiredo, Isabela
Roter Staub
Mosambik am Ende der Kolonialzeit
Bonn: Weidle, 2019. - 169 S.
ISBN 9783938803943

ÖFSE-Signatur:

AF-FIG-01

 Kolonialismus ; Mosambik ; Portugal ; Belletristische Darstellung

Als „Roter Staub“– in der Originalausgabe „Caderno de Memórias Coloniais“ („Heft mit Erinnerungen an die Kolonialzeit“) – 2009 erschien, wurde es in Portugal höchst kontrovers rezipiert: Isabela Figueiredo, Tochter eines Elektrikers im Auftrag der Kolonialverwaltung, gibt in diesem Band persönliche Einblicke in die Spätzeit der portugiesischen Kolonialherrschaft in Mosambik samt alltäglicher Gewalt und strukturellem Rassismus. Figueiredos Ausführungen fügten der Fassade des Lusotropikalismus, nach dessen Auffassung sich der portugiesische Kolonialismus von anderen Kolonialmächten durch moralische Absichten und humanistische Ausgestaltung positiv abhebe, deutliche Kratzer zu und stießen eine gesellschaftliche Debatte über die Erinnerung an den portugiesischen Kolonialismus an.

Dank der nun zehn Jahre später vorliegenden Übersetzung wird der Text mit der deutschsprachigen Leser_innenschaft auch einem Publikum zugänglich, dem Väterliteratur und verdrängte Erinnerung alles andere als fremd sein dürften. Figueiredos kindliche Erinnerungen berichten vom Alltagsleben in Maputo und unbeschwerten Momenten, aber auch von hierarchischen Machtverhältnissen, Ausbeutung und gesellschaftlichen Konflikten. Vor allem aber nähert sie sich erzählerisch der Figur ihres Vaters an: Ohne diesen zu diabolisieren zeichnet sie das Bild eines rohen, hedonistischen Machos, dessen Handeln und Denken vor Rassismen und Sexismen nur so strotzt, der jedoch auch seine charmante und aufmerksame Seite offenbaren konnte. Stilistisch gelingt dies nicht zuletzt durch eine drastische und unbehagliche Sprache, deren ideologisch kontaminiertes Vokabular koloniale Rhetorik und Logik greifbar macht und demaskiert. „Roter Staub“ ist die fiktionalisierte Auseinandersetzung mit bzw. Emanzipation von der zentralen Figur einer Biografie und der damit untrennbar verbundenen Kindheit in einem fernen Land. Stellvertretend ist es darüber hinaus auch eine Geschichte am Schnittpunkt von kollektiver Erinnerung, Aufarbeitung und Verdrängung einer Epoche, deren Integration in gesellschaftliche Erzählungen notwendigerweise Spannungsverhältnisse erzeugt:

„Doch es hat den Anschein, als wäre dies nur in meiner Familie so gewesen, bei diesen Trotteln, die kaum lesen und schreiben konnten, einzigartigen Exemplaren einer Spezies von Weißen, die es dort offenbar nie gegeben hat, denn wie ich viele Jahre später feststellen musste, waren die anderen Weißen dort nie Kolun…, Kolonn…, Kolonialisten gewesen, oder wie das noch mal hieß. Alle waren sie lieb und gut zu den Negern, hatten sie gut bezahlt und noch besser behandelt und werden seither sehnlichst vermisst.“

 

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