Cover des Buches

Schmitz, Geraldine
Market Money
Handelsstrategien auf dem Tamale Central Market in Ghana zwischen lokalem Markt und globaler Ökonomie
Berlin: Neofelis, 2018. - 275 S.
ISBN 9783958081499

ÖFSE-Signatur:  27255

Ghana ; Globalisierung ; Markt ; Einzelhandel ; Unternehmer ; Kulturanthropologie ; Erfahrungsbericht ; Kleinbetrieb ; Zahlungsmittel ; Lebensbedingungen ; Kinderarbeit

Der ghanaische Tamale Central Market steht im Mittelpunkt dieser Dissertation der Ethnologin Geraldine Schmitz. Über einen Zeitraum von 15 Monaten innerhalb der Jahre 2011-2016 führte Schmitz Feldforschung in der nordghanaischen Stadt Tamale durch und konzentrierte sich dabei auf die lokalen Akteur_innen, ihre Perspektiven und Handlungsstrategien. Aus den zahlreichen Gesprächen mit Händler_innen, ihren Biografien und Schilderungen der Strukturen des Marktes ergibt sich ein ambivalentes Bild: So erachtet Schmitz die Trennung in formelle und informelle Ökonomie im Falle des Tamale Central Market als nicht zielführend und zeigt exemplarisch die Verwobenheit des Marktplatzes mit der globalen Wirtschaft auf. Gleichzeitig interessiert sich „Market Money“ aber auch für die spezifischen Kontexte und Bedingungen für das Gelingen des Markthandels, insbesondere führt sie dabei persönliche Netzwerke und sozialen Status ins Treffen. Eine große Rolle spielt aber auch Kinderarbeit – vielfach werden bspw. Verwandte schon in sehr jungen Jahren in den Arbeitsalltag integriert und übernehmen später den Laden. Schmitz differenziert dabei zwischen verschiedenen Formen von Kinderarbeit, verweist auch auf damit einhergehende Vorteile (z.B. Schulbildung) und betont die Schwierigkeit einer universalen Bewertung von Kinderarbeit. 

Zudem beschäftigt sie sich mit dem Phänomen des Marktgeldes („market money“ – zerknüllten Geldscheinen der ghanaischen Währung) und arbeit in Kontrast zu konventionellen Geldtheorien die besonderen Nutzungsweisen und Funktionen (etwa kurzfristigen Schutz vor Währungsreformen) heraus. Anhand eines großangelegten, von der Weltbank finanzierten Infrastrukturprojekts am Tamale Central Market werden in dieser Dissertation weiters Widersprüchlichkeiten der Entwicklungspolitik und ideologische begründete Konflikte sichtbar gemacht.

Vor allem bietet „Market Money“ aber ein reichhaltiges ethnografisches Panorama des Lebens am, mit und vom lokalen Markt, das auf seine Akteur_innen (vor allem Frauen) fokussiert und ihre Perspektiven wiedergibt. Hierbei zeichnet sich der Band insbesondere durch ein hohes Maß an Selbstreflexion und differenzierter Schilderung aus, die anstelle von absoluten Aussagen stets mögliche Limitationen und disziplinäre sowie ethische Dilemmata unterstreicht.

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