Cover des Buches

Geopolitics of the Illicit
linking the Global South and Europe (Weltwirtschaft und internationale Zusammenarbeit ; 25)
Daniel Brombacher et al. (Hrsg.)
Baden-Baden: Nomos, 2022. - 411 S.
ISBN 9783756000159

ÖFSE-Signatur:

28302

Schmuggel ; Menschenhandel ; Drogenhandel ; Geopolitik ; Informeller Sektor ; Globaler Süden ; Südeuropa ; Aufsatzsammlung

Illegale Warenströme haben in der globalen Wirtschaft und auch für regionale Konfliktdynamiken große Bedeutung. Denkt man bei diesem Phänomen dabei zu allererst meist an mafiöse Organisationen (etwa im Bereich des Drogen- oder Menschenhandels) und deren kriminelle Aktivitäten, so umfasst das Spektrum doch weitaus mehr Akteur_innen mit durchaus heterogenen Praktiken. In der Einleitung zum vorliegenden Sammelband mit Fokus auf Ströme vom Globalen Süden nach Europa verweisen die Herausgeber_innen insbesondere auf zwei zentrale Merkmale, die das Verständnis dieser Ströme ermöglichen: „Two features stand out: first, these flows are often transnational, linking up local actors with a much broader web of players in other world regions. Second, they are far from being tied to a separate criminal underworld, but rather have linkages and overlaps with licit markets, commercial structures and even state authorities.” Um diese Verschränktheit von legalen und illegalen Sphären sowie global vernetzte Prozesse mit holistischem Zugang adressieren zu können, nähert sich der Band illegalen Warenströmen aus Perspektive von Liefer- bzw. Wertschöpfungsketten („shadow value chains“). Die einzelnen Beiträge gliedern sich in vier Kapitel: Im ersten stehen vergleichsweise „klassische“ und gut beforschte Fälle im Vordergrund, namentlich dem Drogenhandel (u.a. am Beispiel Albaniens) sowie dem Menschenhandel von nigerianischen Frauen und Mädchen zur Zwangsprostitution in Europa. Das zweite Kapitel vereint Beiträge, die sich illegalen Strömen von Gütern widmen, die in jüngerer Vergangenheit als „new kids on the block in illicit trade“ etabliert hätten. Unter diesem Label werden etwa finanzielle Transaktionen (Geldwäsche, Steuerhinterziehung) von Afrika nach Europa, der Handel mit Kulturgütern und Kunst sowie mit gefälschten Medikamenten untersucht. Im dritten Kapitel sind natürliche Rohstoffe Gegenstand der „shadow value chains“-Analyse, etwa der Weg von Produkten illegalen Fischfangs in Ghana nach Europa, Holz aus illegaler Rodung an den Beispielen Brasiliens, Indonesiens und Malaysiens oder der Rohöl-Schmuggel von Libyen in die Europäische Union. Im letzten Kapitel illustrieren Mineralien sozioökonomische Ungleichheiten: Hier sind etwa parallele Strukturen von legalen und illegalen Goldmärkten in Südafrika, die Koexistenz von legalen, illegalen und informellen Formen kleinhandwerklichen Goldabbaus in Peru sowie internationale Versuche zur Regulierung des Handels mit Konfliktmineralien Thema. In dieser Zusammenstellung vermittelt der Sammelband ein differenziertes Verständnis der „varying shades of grey“ dieser Warenströme und zeigt auf, wie unterschiedliche Akteur_innen dieses Graubereichs ambivalente Praktiken ausüben, staatliche Schwächen ausnützen und kommerzielle Strukturen unterlaufen. Nicht zuletzt bieten die Autor_innen der einzelnen Beiträge aber auch mögliche Lösungen und Regulierungspotenziale an, wobei sie unmissverständlich klarstellen, dass jene eine Adressierung der politischen und sozialen Entstehungsbedingungen der jeweiligen irregulären Warenströme umfassen müssten.

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