Cover des Buches

Masala, Carlo
Weltunordnung
die globalen Krisen und die Illusionen des Westens
München: C.H. Beck, 2022. - 198 S.
ISBN 9783406793257

ÖFSE-Signatur:

28291

Demokratisierung ; IKT ; Internationale Beziehungen ; Internationale Krise ; Intervention ; Militär ; Nationalismus ; NATO ; Sicherheitspolitik ; Staatszerfall ; USA ; Versagen ; Völkerrecht ; Westliche Welt

Im Jahr 2016 veröffentlichte der Politikwissenschaftler Carlo Masala die erste Auflage eines Werkes, das der Welt einen Unordnungszustand befundete. Diese Diagnose argumentierte er mit einer Vielzahl an Symptomen, die sich seit Ende des Kalten Kriegs feststellen ließen: Statt dem erwarteten „Ende der Geschichte“ im Sinne eines Siegeszugs von Kapitalismus und liberaler Demokratie seien militärische Interventionen an der Tagesordnung, hybride Bedrohungen stellten neue Herausforderungen dar, etablierte Institutionen der internationalen Politik befänden sich in fundamentalen Krisen. Seit der Erstveröffentlichung haben sich mit Trumps erratischer Amtsführung, der Niederlage des Westens in Afghanistan und v.a. mit Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine neue Entwicklungen hinzugereiht. Dabei erkennt der an der Universität der deutschen Bundeswehr lehrende Autor keine historischen Vorläufer für die sich seit drei Jahrzehnten herausbildende Weltunordnung, an der man sich orientieren könne. Während Optimist_innen in dieser Phase ein Interregnum verstünden und Pessimist_innen ein dunkles Zeitalter heranbrechen sähen, postuliert Masala eine „realistische Sichtweise“ und erwartet, dass die gegenwärtige Weltunordnung lange Bestand haben werde – mit sowohl unangenehmen, wie aber auch beruhigenden Implikationen: „Der lange Frieden, der seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zwischen den Großmächten herrscht, und den Ausbruch eines heißen Dritten Weltkrieges verhindert hat, wird uns auch im 21. Jahrhundert bleiben. Allerdings werden wir uns daran gewöhnen müssen, dass Großmächte außerhalb ihres unmittelbaren Einflussbereichs nur noch begrenzt Macht ausüben können, dass sie neben dem Willen, einen umfassenden Krieg zu vermeiden, kaum gemeinsame Interesse und Vorstellungen dahingehend haben (und auch nicht entwickeln werden), wie eine stabile Struktur der internationalen Politik des 21. Jahrhunderts aussehen könnte und dass viele Regionen dieser Welt auf unabsehbare Zeit ins Chaos abgleiten (…).

Masalas Band hegt keinen normativen Anspruch, eine anzustrebende Verfasstheit der Welt zu entwerfen, sondern plädiert auf Grundlage einer fundierten Analyse für eine besonnene, realistische Politik. Dabei nimmt er seine eigene Disziplin in die Pflicht: die Politikwissenschaft dürfe sich nicht in den akademischen Elfenbeinturm stellen, sondern habe die Verantwortung, sich am öffentlichen Diskurs zu beteiligen und politische Entwicklungen für ein nicht-einschlägiges Publikum zu übersetzen. Dies gelingt Masala mit „Weltunordnung“: Umfassend ordnet er Dynamiken der internationalen Politik ein, charakterisiert veränderte Qualitäten der internationalen Zusammenarbeit unter dem Schlagwort von „Ad-hoc-Koalitionen“ und fordert den überfälligen Abschied von westlichen Illusionen ein.

C3-Bibliothek für Entwicklungspolitik

Sensengasse 3
1090 Wien
+ 43 (0)1 317 40 10-200
bibliothek@centrum3.at

>> So kommen Sie zu uns

Unsere Öffnungszeiten

Mo-Di: 9.00-17.00 Uhr
Mi-Do:9.00-19.00 Uhr
Fr:9.00-14.00 Uhr

Semesterferien

Die Bibliothek ist von 6.– 10. Februar geschlossen!

Vorwissenschaftliches Arbeiten im C3
> mehr Information