Cover des Buches

Kleffner, Doris
Liberia - Paradies auf Abwegen
kritische Einblicke in die internationale Entwicklungspolitik
Frankfurt/Main: Brandes & Apsel, 2020. - 241 S.
ISBN 9783955582869

ÖFSE-Signatur:

27823

Liberia ; Bürgerkrieg ; Korruption ; Machtmissbrauch ; Entwicklungspolitik

Über 32 Jahre lang hat Doris Kleffner für verschiedene Teilorganisationen der Vereinten Nationen gearbeitet und dabei unterschiedlichste Regionen der Welt gesehen. Die klassische „Elizabeth Arden-Runde“ (von New York nach Paris und von dort nach Genf) hätte sie nicht gereizt, ihre Stationen (u.a. Pakistan, Afghanistan, Ruanda, Bosnien oder Kambodscha) ähnelten eher einer „Indiana Jones-Runde“, scherzt sie. Der vorliegende Band widmet sich jenem Land, in dem sie – aufgeteilt auf zwei Zeiträume – vier Jahre verbracht hat. Durch Zufall habe es Kleffner 1992 an die „Pfefferküste“ – ein aus der Kolonialzeit stammender Begriff für die westafrikanische Küstenregion um Liberia – verschlagen, wo gerade Bürgerkrieg herrschte. Bis 1994 war sie dort für das Freiwilligenprogramm der UN tätigt, von 2007-2009 kehrte sie als Beauftrage für die Reintegration der ehemaligen Bürgerkriegsrebellen bei der Friedensmission UNMIL nach Liberia zurück. Der Untertitel des Buches „Paradies auf Abwegen“ reflektiert dabei bereits die grundlegende Ambivalenz ihrer Erfahrungen: Kleffner erzählt von einem rohstoffreichen und schönen Land mit faszinierender Gründungsgeschichte, deren jüngere Vergangenheit aber vor allem in Form von Dauerkonflikten, Nepotismus und Ausbeutung wahrgenommen werden könne. Anekdotisch berichtet sie von ihren Erlebnissen und sucht dabei stets nach dem Brückenschlag zu strukturellen Zusammenhängen und globalen Entwicklungen. Zur Sprache kommen dabei etwa Korruption, hierarchische Gesellschaftsstrukturen, institutionelle Abhängigkeiten, Gewalt, die Aussichtslosigkeit der liberianischen Jugend und Migration nach Europa. Kleffner gewährt desillusionierende Einblicke in die humanitäre Hilfe und skizziert zentrale Dilemmata der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sowie neokoloniale Kontinuitäten. Ihr Band ist das Porträt eines fragilen Staates, in dem sich unter tatkräftiger Mithilfe des Globalen Nordens kriminelle Eliten perpetuieren.

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