Cover des Buches

Eisler, Riane
Die verkannten Grundlagen der Ökonomie
Wege zu einer Caring Economy
Marburg: Büchner, 2020. - 234 S.
ISBN 9783963172151

ÖFSE-Signatur:

27817

Sozialarbeit ; Wirtschaftstheorie ; Kinderbetreuung ; Hausarbeit ; Ehrenamtliche Tätigkeit ; Gemeinwohl ; Sozialpolitik ; Umweltpolitik ; Nachhaltige Entwicklung ; Fürsorgearbeit

Mit „Die verkannten Grundlagen der Ökonomie“ liegt Riane Eislers „The Real Wealth of Nations“ (2007) nun erstmals in deutscher Sprache vor. In diesem Buch formulierte die 1931 in Wien geborene und vor den Nationalsozialisten ins Exil geflüchtete Soziologin eine Alternative zum gegenwärtigen Wirtschaftssystem aus: Die ihrer „Caring Economy“ (bzw. „Partnerschaftsökonomie“) zugrundeliegende Analyse weist hegemoniale Logiken als zerstörerische Triebkräfte aus und dekonstruiert scheinbare ökonomische Selbstverständlichkeiten. So vermöchten die wirtschaftlichen Strukturen aktuell nicht einmal die materiellen Bedürfnisse verlässlich zu befriedigen, geschweige denn ein gutes Leben entlang von Menschenwürde, Sinnhaftigkeit und Gewaltfreiheit zu ermöglichen. Für den notwendigen Wandel fordert sie ein nachhaltiges Umdenken – Probleme könnten nun mal nicht mit der gleichen Denkweise gelöst werden, mit welcher sie geschaffen wurden, hält Eisler in Anlehnung an Albert Einstein fest. In einem ersten Schritt schlägt die Autorin daher eine Erweiterung des konventionellen Wirtschaftsbegriffs vor, um auch die Beiträge von Privathaushalten, dem Non-Profit-Bereich oder der Schattenwirtschaft berücksichtigen zu können und solcherart zu einem realitätsgetreueren Wirtschaftsmodell zu gelangen. Eisler fordert ein neues Narrativ dazu, was Wirtschaft ist, was sie sein könne und was als produktiv gelte. Ihre Partnerschaftsökonomie enthält „partnerschaftliche“ Elemente von Kapitalismus und Sozialismus, geht im Wesentlichen aber weit über deren Grundlagen hinaus. Jene beiden Großsysteme identifiziert sie als Vertreter der „Dominanzökonomie“, die sie mit Systemen der „Partnerschaftsökonomie“ kontrastiert. Diese grundlegende Kategorisierung unterscheidet zwischen hierarchischen, auf Gewalt, Zwang und Unterdrückung angewiesene Wirtschaftsweisen von jenen, die partnerschaftliche, egalitär und gemeinwohlorientiert arbeiten. Dabei räumt Eisler auch ein, dass Partnerschaftsökonomien in den letzten Jahrhunderten die Ausnahme gewesen seien und auch die Theoriebildung einer möglichen Partnerschaftsökonomie erst im Entstehen begriffen sei. Kernelemente stehen für sie jedoch fest und betreffen etwa die gesellschaftliche Aufwertung von Care-Arbeit, Fürsorge und Natur, partnerschaftlicher Kooperation und gesellschaftlicher Gleichberechtigung. Stets werden von Eisler auch mögliche Handlungsoptionen und Interventionen genannt, mit denen etwa Regierungen, Unternehmen, soziale Bewegungen oder Individuen verschiedene Impulse für diese Dynamik setzen können. Darüber, dass es für diese Transformation einiges an Geduld und Ausdauer bedürfe, macht sie sich keine Illusionen: „Es wird nicht einfach sein, diese Veränderungen zu bewirken, und es wird seine Zeit dauern. Aber jeder von uns kann Wellen anstoßen, die gemeinsam zu einer Care-Revolution anwachsen, die unser Leben und unsere Welt verändern wird.“

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