Cover des Buches

Polanyi Levitt, Kari
Die Finanzialisierung der Welt
Karl Polanyi und die neoliberale Transformation der Weltwirtschaft
Weinheim: Beltz Juventa, 2020. - 340 S.
ISBN 978-3-7799-3970-2

ÖFSE-Signatur:

26868/DE

Neoliberalismus ; Entwicklungsökonomie ; Finanzkrise ; Globalisierungskritik ; Globaler Süden

Seit einigen Jahren erfreut sich Karl Polanyis Werk – und insbesondere seine Hauptveröffentlichung „The Great Transformation“ (1944) – einer Wiederentdeckung in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Insbesondere vor dem Hintergrund der Dauerkrise des Kapitalismus und der längst notwendigen Transformationsdynamik hin zur dekarbonisierten, sozial-ökologischen Gesellschaft gewinnen Polanyis Überlegungen an Aktualität. Exemplarische Signifikanz schreiben die Herausgeber_innen des Bandes etwa dem "Trade & Development Report 2016" der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) zu, der die jüngere Vergangenheit als „Polanyi period“ markiert und explizit Parallelen zur Zwischenkriegszeit herausstreicht. Der Titel des vorliegenden Bandes „Die Finanzialisierung der Welt“ macht dabei jedoch deutlich, dass es nicht um eine bloße Übertragung von Polanyis Forschung auf zeitgenössische Herausforderungen geht, sondern um eine Weiterentwicklung und Fortführung seines Werks: Er nimmt Bezug auf „The Great Financialization“, eine Begrifflichkeit, die Polanyis Tochter Kari Polanyi Levitt zur Abstrahierung einer neoliberalen Globalisierungsdynamik und insbesondere der Entfesselung der Finanzmärkte eingeführt hat.

Der Band erschien im englischsprachigen Original erstmals 2013 und vereint 15 Beiträge von Kari Polanyi Levitt aus unterschiedlichen Jahrzehnten. Im ersten Teil setzt sie sich mit dem Werk ihres Vaters und dessen historischen Grundlagen auseinander, nimmt dabei jedoch stets eine komparative Perspektive (etwa zur Asienkrise der 1990er-Jahre) ein. Verdeutlicht werden des Weiteren Polanyis konkrete Vorstellung des Sozialismus, seine Sozialisation im Roten Wien oder antagonistische Entwürfe des Neoliberalismus unter besonderer Berücksichtigung von Polanyis Zeitgenossen Friedrich von Hayek. Im zweiten Teil steht schließlich Polanyi Levitts Forschung selbst im Zentrum, insbesondere ihre Beiträge zur Entwicklungsökonomie und zum Verhältnis von Zentrum und Peripherie. Nicht zuletzt geprägt von der Dependenztheorie plädiert sie für Souveränität, politische Emanzipation und die Rückgewinnung der Kontrolle über natürliche und menschliche Ressourcen. Solcherart spannt die Autorin einen Bogen von Polanyis historisch determinierter Transformationsvorstellung über die Entwicklungs- und Dekolonisierungserfolge der ersten Nachkriegsjahrzehnte bis hin zur neoliberalen Finanzialisierung der Welt.

In einem abschließenden Kapitel skizziert Polanyi Levitt den Aufstieg des Globalen Südens der letzten Jahrzehnte, der mit einem Machtverlust der westlichen Welt einherging, die Welt neu zu ordnen begann und Vorstellungen einer nachhaltigen Entwicklung neu schrieb. Ausgegangen werden müsse hier letztlich davon, dass Entwicklung nicht von außen auferlegt werden könne, sondern ein kreativer, kultureller und emanzipatorischer Prozess sei: „Entwicklung ist letztlich die Fähigkeit einer Gesellschaft, die Quellen der Kreativität des Volkes zu erschließen, die Menschen zu befreien und sie zu befähigen, von ihrer Intelligenz und ihrem kollektiven Wissen Gebrauch zu machen.“

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