Cover des Buches

Konicz, Tomasz
Klimakiller Kapital
wie ein Wirtschaftssystem unsere Lebensgrundlagen zerstört
Wien: Mandelbaum, 2020. - 375 S.
ISBN 9783854766926

ÖFSE-Signatur:

27640

Kapitalismuskritik ; Klimakrise ; Klimawandel

Warnungen vor dem Point of no return, dem Kippen der Meere oder dem Versagen der Klimaschutzpolitik – geradezu routinemäßig werde Alarm geschlagen, so Tomasz Konicz. Doch weder schafften es diese Botschaften auf die Titelseite, noch hätten sie ein wirtschaftliches Umdenken angestoßen: Unbeirrt rollt der Zug der kapitalistischen Wirtschaft weiterhin auf dem eingefahrenen Gleis maximalisierten Wachstum- und Profitstrebens dahin, in Verschränkung mit politischen Entwicklungen wie der Etablierung einer autoritären, neoliberalen Rechten (vgl. etwa Brasilien unter Bolsonaro) erführe dieses System sogar noch eine weitere Enthemmung. „Klimaschutz und Wirtschaftswachstum, kapitalistische Ökonomie und Ökologie scheinen unvereinbar“, argwöhnt Konicz in seiner Einleitung. Wo sonst auf solche dichotomen Aussagen gerne ein relativierendes, den Ausgleich suchendes Narrativ einer Vereinbarkeit zwischen Kapitalismus und Umwelt folgt, wählt Konicz die schonungslose Variante: „Wirtschaftswachstum und Klimaschutz, kapitalistische »Arbeitsplätze« und ökologisch intakte Umwelt sind unvereinbar. Ein Gesellschaftssystem, das von einem unkontrollierbaren Wachstumszwang angetrieben wird, kann in einer endlichen Welt keine ökologisch nachhaltigen Formen der sozialen Reproduktion etablieren.“ Dabei sei es nicht die Menschheit an sich, die den Planeten ruiniere, sondern das krisengeplagte Kapitalverhältnis stelle die treibende Kraft dieser instabilen, historischen Form der Geschichte dar.

„Klimakiller Kapital“ adressiert somit die Wechselwirkungen der konkreten Gesellschaftsformation des Kapitalismus, in der Menschen ein prekäres Leben fristen, und der Umwelt, deren Ressourcen und Rohstoffe die Grundlage der Reproduktionsprozesse liefern. Das Kapital ist nun sowohl Ursache des Klimawandels, verschärft gleichzeitig aber auch dessen gesellschaftliche Konsequenzen. Konicz argumentiert konsequent ideologiekritisch und trachtet nach der Dekonstruktion des „naturalisierten“ Kapitalismus. Dies geschieht auch unter Berücksichtigung der Eigendynamik des krisenhaften Kapitalismus, wobei der Autor insbesondere mit Marx‘ Fetischbegriff operiert. Klimakrise und Wirtschaftskrise sind in dieser verselbstständigten Bewegung des Kapitals zwei Momente derselben Dynamik. Konicz macht die Widersprüchlichkeiten sowie selbstzerstörerischen Tendenzen des Kapitalismus sichtbar und streicht die Irrationalität des fetischistischen Kapitals hervor, der alle Rationalität gesellschaftlicher Reproduktionsprozesse unterworfen ist. Dabei argumentiert er nicht auf rein theoretischer Ebene, sondern hält durchgehend konkrete Beispiele (etwa das spätkapitalistische Agrarsystem als vollendeter Krisenverstärker). Die Betonung der fetischistischen Eigenart des Kapitals will der Journalist allerdings nicht als Apologie der Funktionseliten verstanden wissen und benennt insbesondere Saboteur_innen des Umweltschutzes von Klimaleugner_innen der Neuen Rechten bis zur mächtigen Lobby der Autoindustrie. Dabei hat er stets auch ein Auge für die bizarren Blüten kapitalistischer Krisenpolitik.

In einem letzten Abschnitt des Buches widmet sich Konicz schließlich möglichen Auswegen aus der gegenwärtigen systemischen Krise hin in den Post-Kapitalismus. Insbesondere erkennt er die dringende Notwendigkeit, der – im instabilen, prekären Gesellschaftssystem des Spätkapitalismus besonders hohen – Attraktivität des Rechtspopulismus eine progressive Alternative gegenüberzustellen, die freilich mit einer grundlegenden Transformation einhergehen müsste. Klassenkampf, Antifaschismus und Bündnispolitik sind zentrale Schlagworte dieser Überlegungen, wenngleich der Autor keine Chance auf eine breit aufgestellte, emanzipatorische Bewegung mehr sieht: Es sei – in mehrerlei Hinsicht – zu spät hierfür. „Klimakiller Kapital“ beleuchtet Ursache und Wirkung des krisenhaften Kapitalismus aus ideologie- und gesellschaftskritischer Perspektive, zentraler Bestandteil dieser Analyse sind Marx’sches Vokabular und Theorieverständnis. Dabei versteht sich der Band nicht zuletzt auch handlungsorientiert und bemüht sich um die Diskussion möglicher Auswege. Keinen Zweifel lässt Konicz an einer Überzeugung: Die Überwindung des autodestruktiven, widersprüchlichen Kapitalismus ist unabdingbare Überlebensnotwendigkeit der Menschheit.

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