Cover des Buches

Kalfelis, Melina
NGO als Lebenswelt
Transnationale Verflechtungen im Arbeitsalltag von Entwicklungsakteuren (Schwächediskurse und Ressourcenregime ; 7)
Frankurt/Main: Campus, 2020. - 347 S.
ISBN 9783593510682

ÖFSE-Signatur:

27664

Entwicklungszusammenarbeit ; Burkina Faso ; Nichtstaatliche Organisation ; Ethnologie

Die Ethnologin Melina Kalfelis widmet ihre Dissertation NGOs bzw. anderen Entwicklungsakteur_innen in Westafrika und betont den besonderen Schnittpunkt zwischen sozialen Lebensrealitäten „lokaler“ Akteur_innen und globalen Normen und Ordnungsprinzipien im Kontext transnationaler Entwicklungspartnerschaften. Sie bezieht sich dabei auf kritische Strömungen ethnologischer NGO-Forschung, die etwa globalen Machtverhältnissen Rechnung tragen und die Diffusität bzw. Instabilität der Kategorie „NGO“ hervorstreichen. Kalfelis wählt daher einen multi-lokalen Zugang für ihre Beschäftigung mit burkinischen Entwicklungs-NGOs und betont, dass dieser Arbeitsbereich nicht als rein nichtstaatlich, sondern erst vor dem Hintergrund transnationaler Partnerschaftskonstellationen und Entwicklungsregime verstanden werden könne. Ansätze einer „anthropology of development“ seien nicht nur dazu geeignet, sich kritisch mit Entwicklungspraktiken, institutionellen Strukturen und Machtverhältnissen auseinanderzusetzen, sondern böten auch die einer akteurszentrierten Perspektive Raum.

Auf Grundlage von mehrjähriger Feldforschung, biografisch-narrativer Interviews und empirischer Beobachtungen schildert Kalfelis Lebenswelten und Alltagsroutinen burkinischer NGO-Akteur_innen, analysiert vor allem aber auch deren Verhältnis zu „westlichen“ Entwicklungsfinanziers und deren agency in transnationalen Entwicklungspartnerschaften. Den Arbeitsalltag der NGOs beschreibt sie als „Gratwanderung zwischen transnationaler Direktive und sozialer Realität.“ Darüber hinaus ist die Autorin bemüht, nicht unhinterfragt Eurozentrismen und kolonial geprägte Kategorien zu reproduzieren. In Bewusstsein ihrer persönlichen Verstrickungen in globale Machtasymmetrien und ihrer privilegierten Position postuliert sie die Notwendigkeit epistemologischer Brüche und trachtet danach, die ideologischen Grundlagen von Entwicklungsstrukturen und entsprechendem Vokabular freizulegen. So problematisiert sie etwa ein eurozentrisches Verständnis des Phänomens „Armut“, das in Menschen unterteile, die Armut bekämpften und jene, die Armut litten. Entwicklungsakteur_innen, die globale Entwicklungsprozesse aktiv mitgestalten und sich selbst an der Schwelle zu Armut und Prekariat befinden, sind in dieser dichotomen Logik nicht vorgesehen. In einer der zentralen Schlussfolgerungen etikettiert sie das Paradigma „Partnerschaft“ als „Euphemismus globaler Machtverschiebungen“ und schildert die stetige Spielraumverringerung der NGOs angesichts steigender Bürokratisierung, administrativ herausfordernder Rechenschaftspflicht und externer Normdiktate: „Im Arbeitsalltag wirkte es vor diesem Hintergrund oft, als säßen die burkinischen NGO-Akteure auf dem Beifahrersitz eines fahrenden Autos, dessen Fahrplan bereits in das Navigationsgerät eingegeben wurde.“

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