Cover des Buches

Binswanger, Mathias
Mehr Wohlstand durch weniger Agrarfreihandel
Landwirtschaft und Globalisierung
Wien: Picus, 2020. - 120 S.
ISBN 9783711720948

ÖFSE-Signatur:

27614

Freihandel ; Agrarzoll ; Entwicklungspolitik

Der Schweizer Ökonom Mathias Binswanger räumt in seinem Essayband mit dem Mythos auf, dass Freihandel den gesellschaftlichen Wohlstand stetig zu vermehren möge und ausschließlich Gewinner_innen produziere. Dabei argumentiert er nicht aus prinzipiell ablehnender Position, sondern zeigt exemplarisch am Bereich der Agrarwirtschaft die Defizite und Fehlannahmen des Freihandels auf. Zum Einstieg skizziert Binswanger das Ricardo-Theorem der komparativen Kostenvorteile und erörtert jene restriktiven Annahmen, unter denen das Modell funktioniert. Deutlich macht bereits diese theoretische Diskussion, dass die Logik des Freihandels am Beispiel der Landwirtschaft versagt. In der Folge führt der Ökonom jene Besonderheiten der landwirtschaftlichen Produktion, durch welche sich dies erklären lässt: So sind etwa der landwirtschaftlichen Produktion natürliche Grenzen gesetzt, da sich Produktionsfaktoren (etwa die Ressource Boden) nicht ständig weitervermehren lassen. Weiters unterbindet die Marktmacht großer Lebensmittelhersteller, die von den Bäuer_innen vorrangig unverarbeitete Rohstoffe beziehen, deren Teilhabe am größten Teil der Wertschöpfungskette. Auch stellen die Preise, die Großabnehmer zahlen, letztlich nur einen Bruchteil dessen dar, was Bäuer_innen bei der Direktabnahme an die Konsument_innen erzielen könnten. Zudem vernachlässige die Theorie des Freihandels insbesondere jene (immateriellen) Wohlstandsleistungen, die sich nicht mittels komparativer Kostenvorteile erklären lassen, etwa regionale Versorgungssicherheit, Erhaltung der Biodiversität oder Pflege der Kulturlandschaften.

Davon ausgehend argumentiert Binswanger, dass der Freihandel den Bäuer_innen keineswegs mehr Wohlstand gebracht habe, sondern vielmehr zum Sterben kleinbäuerlicher Strukturen geführt habe und lediglich industrielle Landwirtschaft begünstigt habe. Sei es die längste Zeit common sense gewesen, dass die Landwirtschaft als Sonderfall behandelt und vom Freihandel ausgenommen werden müsse, so hätte eine übertriebene Liberalisierungseuphorie seit den 1980er-Jahren eines gezeigt: Freihandel in der Landwirtschaft produziere viele Verlierer_innen – und einige wenige mächtige Gewinner_innen. Binswangers politische Forderung ist insofern klar: Landwirtschaftliche Produkte sollten vom Freihandel ausgenommen werden, Zölle und andere protektionistische Handelsbarrieren erachtet er in diesem Wirtschaftssektor als legitimes Mittel.

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