Cover des Buches

Sommerauer, Andrea
Gewagte Mission
der Missionshilfeeinsatz von Jugendlichen aus der Marianischen Kongregation (MK) Innsbruck in Rhodesien 1964-1976
Innsbruck: Universitätsverlag Wagner, 2019. - 175 S.
ISBN 9783703010590

ÖFSE-Signatur:

27360

Leider ist es tatsächlich eine Seltenheit, eine Geschichte von Mission zu finden, welche nicht in die Fallen romantischer Rückschau oder postkolonialer Überheblichkeit seitens des globalen Nordens tappt. Andrea Sommerauer ist dies in ihrem Buch „Gewagte Mission“ allerdings gelungen: Darin wird der Missionshilfeeinsatz von Innsbrucker Jugendlichen zwischen 1964 und 1976 in Rhodesien – heute Zimbabwe – behandelt. Sie erzählt Missionsgeschichte auf sehr persönlicher Ebene und arbeitet ganz nahe an ihren Subjekten. Gleichzeitig schildert sie Unabhängigkeitsbestrebungen von afrikanischer Perspektive aus. Detailliert erklärt sie politische Verhältnisse und Wurzeln sowie Verlauf des Rhodesienkonflikts.
Sommerauer schafft es außerdem darzustellen, wie sich Mission stets in einem komplexen Spannungsfeld bewegte – zwischen der Bereitstellung von Ressourcen und Dienstleistungen für benachteiligte Schwarze Bevölkerungsgruppen einerseits und der Teilhabe an kolonialer Tradition und des einhergehenden globalen Nord-Süd-Gefälles andererseits. Dafür erläutert sie u.a. innerkirchliche Diskrepanzen: Geistliche und Missionshelfer nahmen ganz unterschiedliche Positionen innerhalb des Unabhängigkeitskriegs und der Rassentrennung ein. Auch veränderten sich diese über die Jahrzehnte hinweg. Dabei wird der Komplexität der Missionstätigkeit bis zur Ebene des Individuums nachgespürt. Zum Beispiel findet sich im Buch die Episode eines Missionshelfers, welcher mit der Unabhängigkeitsbewegung sympathisierte, zugleich aber die Gewalt der Guerilla-Kämpfer ablehnte, und schließlich zerrissen zwischen seinen moralischen Vorstellungen zu Handlungen greift, die er bis heute bereut. Derart tiefe Einsichten kann Sommerauer dank ihrer intensiven Recherche und Zeitzeugeninterviews bieten.
Abgerundet wird das Buch durch zeitgenössische Fotos. Leser_innen haben so die Chance, noch ein Stück näher an das damalige Rhodesien und die Erlebnisse der jungen Tiroler heranzurücken. Teils parallel, teils überschneidend zeigen sich die Lebenswelten von Afrikaner_innen in einer fremdbeherrschten Heimat und Europäer_innen im Aufbruchsfieber der 1960er und -70er Jahre.  

 

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