Cover des Buches

Milanović, Branko
Kapitalismus global
über die Zukunft des Systems, das die Welt beherrscht
Berlin: Suhrkamp, 2020. - 404 S.
ISBN 9783518429235

ÖFSE-Signatur:

27601/DE

Kapitalismus ; Ökonomische Ideengeschichte ; Globalisierung ; Zukunft ; Wirtschaftsordnung

Der renommierte Ökonom und Ungleichheitsforscher Branko Milanović diagnostiziert in seinem neuesten Band ein historisches Unikum: Seit dem Ende des Kommunismus dominiere erstmals in der Geschichte der Menschheit ein Wirtschaftssystem nicht nur, sondern entwickle sich aus seiner Hegemonie heraus sogar zur global einzig denkbaren Organisationsform. Ebenfalls mit der Erosion der bipolaren Ordnung hätte zudem ein wirtschaftlicher und politischer Aufstieg Asiens altbekannte Machtverhältnisse aus dem Gleichgewicht gebracht: „Die unangefochtene Herrschaft des Kapitalismus und die wirtschaftliche Renaissance Asiens sind weltgeschichtlich bedeutsame Entwicklungen – die möglicherweise zusammenhängen.“ Es gebe nämlich zwei unterschiedliche Ausprägungen jenes Systems, das unangefochten die Welt dominiere: Dies sei einerseits ein liberaler, meritokratischer Kapitalismus im Westen, zum anderen ein sogenannter politischer bzw. autoritärer Kapitalismus, der massiv staatlich gelenkt werde. Letztgenannter sei vor allem in Asien zu finden, hätte sich aber auch in einigen osteuropäischen und afrikanischen Ländern verwirklicht. Spätestens seit der Finanzkrise trete der Wettstreit dieser beiden Spielarten offen zutage und nehme ideologische Ausmaße an. Insbesondere zwischen den Hauptproponenten der beiden Ausprägungen – den USA und China – sei dieser Konflikt längst nicht mehr auf Handelskriege und Strafzölle beschränkt, sondern umfasse auch militärische Drohgebärden. Milanović arbeitet die Hauptmerkmale der beiden Varianten heraus und skizziert jeweils inhärente Logiken, wobei er eindringlich dafür plädiert, systemische und isoliert auftretende Charakteristika zu differenzieren. Sein Hauptaugenmerk liegt auf den Konsequenzen der reproduzierten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen für Einkommensungleichheit und Klassenverhältnisse. En passant geht der Ökonom auch auf die Bedeutung chinesischer Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent, die Auswirkungen der Covid19-Krise auf die Rolle des Staats und weitere globale Entwicklungen ein. Abschließend wagt Milanović einen Ausblick in die Zukunft des Kapitalismus und zeigt Potenziale auf, in die Entwicklungen gestaltend einzugreifen. Dass sich eine der beiden Varianten auf der ganzen Welt durchsetzen könne, wie es der Kapitalismus als Wirtschaftssystem eben erreicht habe, hält er schlussendlich für wenig wahrscheinlich.

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