Cover des Buches

Haitianische Renaissance
der lange Kampf um postkoloniale Emanzipation
Katja Maurer et al. (Hrsg.)
Frankfurt/Main: Brandes & Apsel, 2020. - 226 S.
ISBN 9783955582760

ÖFSE-Signatur:

27797

Postkolonialismus ; Politischer Wandel ; Wirtschaftliche Lage ; Sozioökonomischer Wandel ; Weltwirtschaft ; Entwicklungshilfe ; Krisengebiet ; Protestbewegung ; Haiti 

Erdbeben, Choleraepidemie, Korruption und bewaffnete Konflikte – der öffentliche Diskurs über Haiti ist von reduktionistischen und pejorativen Narrativen geprägt. In Anlehnung an Chimamanda Ngozi Adichies Warnung vor der „danger of a single story“ verwehren sich die beiden Herausgeberinnen diesem defizitorientierten Bias und eröffnen mit „Haitianische Renaissance“ neue, postkoloniale Perspektiven auf den karibischen Inselstaat. Mit dem Begriff der Renaissance beziehen sich Katja Maurer und Andrea Pollmeier dabei auf die Haitianische Revolution 1791 als jenes Ereignis, das die im Zuge der Französischen Revolution proklamierten Werte Aufklärung und Menschenrechte erst tatsächlich für die gesamte Menschheit universalisiert hätte. Unter einer „Haitianischen Renaissance“ verstehen sie insofern die Erweiterung und Reflexion einer europäischen Ideenwelt und verweisen auf eine Diskrepanz der Renaissanceepoche: Während diese wohl einer säkularen Aufklärungsagenda folgte, so brachte sie dem Globalen Süden paradoxerweise den Beginn brutaler Unterwerfung und des Kolonialismus ein. Im vorliegenden Band finden sich Beiträge vereint, welche eurozentrischen Narrativen und Dichotomien dekoloniale Positionen und emanzipatorische Perspektiven gegenüberstellen. In Interviews, Essays und Reportagen beschäftigen sich Haitianer_innen, internationale Beobachter_innen und Aktivist_innen aus globalgeschichtlicher Perspektive etwa mit dem Scheitern des Universalismus der Haitianischen Revolution, den negativen Konsequenzen des Extraktivismus oder dem Versagen der Entwicklungspolitik. Ebenfalls wird aus zeitgenössischer Perspektive kritisch analysiert, welche kontraproduktiven Auswirkungen die internationale humanitäre Hilfe nach dem Erdbeben 2010 auf das Land hatte, wie neoliberale Policies sich als fatale Rezepte herausgestellt haben und welche Konjunkturen die haitianischen Protestbewegungen aufweisen. Vorgestellt werden aber auch eigenständige Entwicklungen und Akteur_innen des Widerstands gegen globale Ungleichheiten, die Anlass zur Hoffnung bieten und jene Potenziale einer Dekolonisierung aufzeigen, die man vom Beispiel Haiti lernen könnte. Reflektiert betonen die Herausgeber_innen dabei auch ihre eigene Position in globalen Machtverhältnissen und Verortung in eurozentrischen Diskursordnungen: „Über Haiti zu schreiben, ist ein permanentes sich Verstricken, ein Anrennen gegen unüberwindliche Mauern.“

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