Cover des Buches

Musayev, Kamran
Zwischen Demokratie und Autoritarismus
Transformationsszenarien im Baltikum und Südkaukasus
Frankfurt/Main: Campus, 2019. - 526 S.
ISBN 9783593510491

ÖFSE-Signatur:

27796

Postkommunismus ; Politisches System ; Politischer Wandel ; Systemtransformation ; Demokratisierung ; Autoritarismus ; Osteuropa ; Baltische Staaten ; Kaukasische Staaten der ehemaligen Sowjetunion

Zusammenfassung: Von der allgemeinen Aufbruchsstimmung Anfang der 1990er-Jahre nach der Wende sei kaum etwas übrig, konstatiert Kamran Musayev in seiner Dissertation auch bezüglich der sozialwissenschaftlichen Forschung eine Ernüchterung. Euphorische Erwartungen eines „Endes der Geschichte“ (vgl. Francis Fukuyama 1992) hätten sich nicht bewahrheitet und Hoffnungen auf umfassende Demokratisierung in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion wären vielfach enttäuscht worden. Die Erfolgsbeispiele der mittelosteuropäischen Staaten, auf die sich die Transformationsforschung vorrangig fokussiert habe, stünden dabei trotz ähnlicher Voraussetzungen in Widerspruch zu den Demokratisierungsprozessen zahlreicher ehemaliger sowjetischer bzw. jugoslawischer Republiken. In einigen wenigen hätte sich Demokratie etabliert, in anderen könne eine Renaissance autoritärer Herrschaftsformen beobachtet werden, viele Staaten befänden sich in einer diffusen Ambivalenz zwischen Demokratie und Autoritarismus. Musayevs Dissertation widmet sich insofern unterschiedlichen Transformationsszenarien der vergangen drei Jahrzehnte anhand zweier „peripherer“ Regionen, nämlich dem Südkaukasus und dem Baltikum. Deren Peripheriestatus argumentiert der Autor über die Position als Grenzregionen der Sowjetunion mit dem gemeinsamen Trauma der kolonialen russischen bzw. sowjetischen Präsenz. Bei den genannten Beispielen handle es sich zwar um geografisch getrennte Regionen, die jedoch historisch erstaunlich dichte Verbindungen und Gemeinsamkeiten aufwiesen. Als eine solche nennt Musayev auch die Massenmobilisierung der Bevölkerung in unterschiedlichen Initiativen politischer Dachverbände, wenngleich dieses Phänomen zu unterschiedlichen Resultaten geführt habe. Während im Baltikum ein Elitenpakt aus moderaten Kommunist_innen und gemäßigter Opposition sowie die regionale Zusammenarbeit eine erfolgreiche Transition ermöglicht hätten, so verhinderten territoriale Konflikte und separatistische Tendenzen im Kaukasus eine solche Entwicklung. Politische Turbulenzen, militärische Interventionen und die Rückkehr der alten Nomenklatura erlaubten eine fortwährende Etablierung demokratischer Strukturen nicht, die Entwicklung in den südkaukasischen Staaten Georgien, Armenien und Aserbaidschan sei durch abwechselnde Fortschritte und Rückschläge gekennzeichnet. Schlussendlich verweist Musayev auch auf die Bedeutung einer demokratischen Hegemonialmacht in der Nachbarschaft eines Transformationsstaates, womit sich die gegensätzlichen Entwicklungen nicht zuletzt erklären ließen: „Die baltischen Staaten liegen in einer Friedenszone, in der alle unmittelbaren Regionalmächte, abgesehen von Russland, demokratisch und den baltischen Staaten selbst friedlich gesonnen sind. Die Mitgliedschaften in EU und NATO garantieren außerdem Schutz gegen die expansive und aggressive Außenpolitik Russlands. Der Südkaukasus hingegen ist eine Region, in der die autoritären Mächte Russland, Iran und Türkei dominieren und in der die Frage der regionalen Vormachtstellung noch nicht geklärt wurde.

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