Cover des Buches

Entwicklungspolitische Freiwilligendienste im Fokus der Forschung
(Voluntaris - Zeitschrift für Freiwilligendienste ; Sonderband)
Stefanie Bonus et al. (Hrsg.)
Baden-Baden: Nomos, 2020. - 186 S.
ISBN 9783848762842

ÖFSE-Signatur:

27783

Ehrenamtliche Tätigkeit ; Entwicklungspolitik ; Aufsatzsammlung

Der vorliegende Sonderband von „Voluntaris - Zeitschrift für Freiwilligendienste und zivilgesellschaftliches Engagement” vereint Beiträge einer wissenschaftlichen Tagung, die 2008 in Köln stattfand. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des beim deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ressortierenden Programms „weltwärts” beschäftigte sich diese Veranstaltung mit Perspektiven auf entwicklungspolitische Freiwilligendienstdienste international. Die Einführung von „weltwärts“ bedeutete für zu diesem Zeitpunkt bereits bestehende Entsendungsformate neben umfangreichen Fördermitteln auch einen neuen Koordinations- und Argumentationsbedarf: „Trägerorganisationen, die die Entsendung ihrer Freiwilligen fördern lassen wollten, mussten den »entwicklungspolitischen« Charakter der Einsatzstellen darlegen und auch viele Freiwillige nahmen sich fortan als Teil der Entwicklungszusammenarbeit wahr.“ In ihrer Einführung problematisieren die Herausgeber_innen das historisch auf kolonialen Vorstellungen beruhende Konzept von „Entwicklung“, dessen Gegenwart nach wie vor von neokolonialen Denkmustern und Praktiken geprägt sei. Auch entwicklungspolitische Freiwilligendienste reproduzieren ungleiche Machtverhältnisse und hegemoniale Diskursordnungen.

Zunehmend seien diese Entsendungsformate jedoch Gegenstand akademischer Beschäftigung (häufig auch von ehemaligen Freiwilligen), wenngleich sich kein klar konturiertes Forschungsfeld erkennen lasse. Der vorliegende Sammelband berücksichtigt diese lebendige, interdisziplinäre Forschungslandschaft und vereint empirische und theoretische Auseinandersetzungen mit administrativ-konzeptionellen Überlegungen und Evaluierungen. Die einzelnen Beiträge sind dabei Themensträngen wie „Lernen und Bildung“, „Postkoloniale Perspektiven“, „Einschluss und Ausschluss“ oder „Internationale Perspektiven“ zugeordnet. Konkrete Fragen beziehen sich bspw. auf die bislang geringe Berücksichtigung des Konzepts „politische Bildung“ im „weltwärts“-Programm, die Partizipation junger Menschen mit Behinderung oder die Rezeption der Beziehung zwischen Freiwilligen und Partner_innen im jeweiligen Gastland. Als nach wie vor größte Leerstelle in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung identifizieren die Herausgeber_innen Perspektiven aus dem Globalen Süden. Eine Reihe an Beiträgen rückt daher Akteur_innen des Südens in den Vordergrund und interessiert sich etwa für Wahrnehmungen der Empfängerorganisationen, Spannungsverhältnisse oder Erfahrungen von Süd-Nord-Freiwilligen. An anderer Stelle werden komparativ unterschiedliche Charakteristika von Freiwilligendiensten herausgearbeitet, berücksichtigt werden dabei neben „weltwärts“ etwa das norwegische „Norec“-Programm, die Aktivitäten des britischen „International Citizenship Service“ oder das „Peace Corps“ (USA).

Der vorliegende „Voluntaris“-Sonderband leistet insofern mehrerlei: Einerseits wird bestehendes Wissen zu „weltwärts“ und ähnlichen Programmen zusammengeführt, systematisiert und verglichen. Andererseits werden im Zuge dieses Unterfangens eine Vielzahl an Forschungslücken und Widersprüchen benannt, die Gegenstand weiterführender Auseinandersetzung sein können. Trotz unterschiedlicher Ausgangslagen, Disziplinen und Zugänge plädieren alle Beiträge für ein kritisches Verständnis und die Dekolonialisierung nicht nur der Freiwilligendienste, sondern des Konzepts „Entwicklung“ überhaupt.

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