Cover des Buches

Postwachstumsgeographien
Raumbezüge diverser und alternativer Ökonomien (Sozial- und Kulturgeographie ; 38)
Martina Hülz et al. (Hrsg.)
Bielefeld: Transcript, 2020. - 454 S.
ISBN 9783837651805

ÖFSE-Signatur:

27785

Alternative Wirtschaft ; Sozialgeografie ; Postwachstumsökonomie ; Wirtschaftsgeografie ; Sozialökologie ; Ökologie ; Aufsatzsammlung

Fragen der Ressourcenendlichkeit und Tragfähigkeit des Planeten sind keineswegs neu, sondern prägen seit einigen Jahrzehnten klima- und umweltpolitische Debatten. Insbesondere die Raum- und Planungswissenschaften hätten sich dabei schon früh mit absoluten Wachstumsgrenzen beschäftigt und auch einen substanziellen Beitrag zu räumlich differenzierten Perspektiven geleistet, halten die Herausgeber_innen von „Postwachstumsgeographien“ fest. Die vorherrschenden Modelle und Theorieansätze seien jedoch meist einem kaum reflektierten Wachstumsparadigma verhaftet und würden konventionelle Wirtschaftskonzepte und eine hegemoniale Marktlogik reproduzieren. Die Raumwissenschaften seien zwar in der Lage, negative (bspw. soziale und ökologische) Externalitäten des Wachstumszwangs zu problematisieren, eine grundsätzliche Infragestellung dieses Paradigmas gelänge ihnen jedoch nicht. Vielmehr beschränken sich Lösungsansätze auf Ressourcenoptimierung und technologische Effizienzsteigerung. Erst langsam sei eine Öffnung der betreffenden Disziplinen gegenüber Postwachstumsansätzen zu bemerken. Der vorliegende Sammelband hat seinen Ursprung in Workshops des Arbeitskreises „Postwachstumsökonomien“, in dessen Rahmen zwischen 2017 und 2020 regelmäßig Workshops stattfanden. Ziel dieser Formate war sowohl das systematische Zusammentragen von raumwissenschaftlichen Degrowth-Perspektiven, als auch der Austausch der Teilnehmer_innen (Geograf_innen, Wirtschaftswissenschaftler_innen, Raum- und Landschaftsplaner_innen) mit jeweils lokalen Postwachstumsakteur_innen. Die daraus entstandenen Beiträge gliedert der Sammelband in vier Themengruppen. Deren erste, „Perspektivräume“, geht der Frage nach, was Raumperspektiven auf Postwachstum leisten können. Diskutiert werden hier etwa räumliche Strategien für die Postwachstumstransformation oder die Fragestellung, ob Arbeitszeitverkürzung in Kleinbetrieben als Postwachstumspraxis gelten könne. In der zweiten Themengruppe „Möglichkeitsräume“ stehen Perspektiven und Einschätzungen konkreter Akteur_innen im Feld der Postwachstumsökonomie in Bezug auf ihre räumliche Selbstverortung im Vordergrund. Thematisiert werden sowohl groß- als auch kleinräumliche Bezüge, etwa das Verhältnis von städtischer Planungsebene zu alternativen Ökonomien, das Potenzial sogenannter „Dritter Orte“ oder Nah- und Selbstversorgung in urbanen Zwischenräumen. Spannungsfelder von Postwachstum werden in „Konflikträume“ verhandelt. Problematisiert werden hier etwa konventionelle Vorstellungen von „Entwicklung“ (unter Bezugnahme auf Ansätze des Postdevelopment), gefordert wird allerdings auch eine „Provinzialisierung“ von Degrowth im Sinne einer Entlarvung eurozentrischer Tunnelblicke und der epistemologischen Erweiterung von Postwachstum. Des Weiteren erfolgt die Beschäftigung mit wachstumsfixierten Akteur_innen wie etwa der Europäischen Union und der Frage nach der Postwachstumskompatibilität von Initiativen wie dem Green New Deal der EU-Kommission. Am stärksten praxisorientiert sind schlussendlich die Beiträge in der Themengruppe „Gestaltungsräume“, in der beispielhaft Konsequenzen für Raum- und Landschaftsplanung vorgestellt werden. Diese betreffen etwa Partizipation in der Raumentwicklung im Sinne eines „guten Lebens für alle“, Postwachstumsperspektiven für Regionen im Strukturwandel oder vorsorgeorientierte Handlungspraktiken des Postwachstums. En passant leisten die Beiträge des vorliegenden Sammelbandes nicht nur illustrative Beispiele möglicher Raumperspektiven auf Postwachstum, sondern auch eine Selbstreflexion und Problematisierung gängiger Denk- und Arbeitsweisen der eigenen Disziplin.

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