Cover des Buches

Pitts, Johny
Afropäisch
eine Reise durch das schwarze Europa
Berlin: Suhrkamp, 2020. - 461 S.
ISBN 9783518429419

ÖFSE-Signatur:

27787

Person of Color ; Soziale Situation ; Afrikaner ; Bevölkerung ; Europäer ; Schwarze

Eine „afropäische Odysee“ schildert der in Sheffield als Sohn eines Afroamerikaners aufgewachsene Fotograf, Schriftsteller und Journalist Johny Pitts in dem vorliegenden Band. Der Titel referenziert dabei auf den von Marie Daulne und David Byrne bereits Anfang der 1990er-Jahre geprägten Begriff „Afropea“, der für Pitts emanzipatorisches Potenzial birgt: „Als ich den Ausdruck afropäisch zum ersten Mal hörte, regte er mich dazu an, mich selbst als komplett und ohne Bindestrich zu begreifen. Hier war ein Raum, in dem das Schwarzsein an der Gestaltung einer allgemeinen europäischen Identität beteiligt war. Der Begriff eröffnete die Möglichkeit, in und mit mehr als einer Idee zu leben: Afrika und Europa oder, in einem weiteren Sinne, mit dem globalen Süden und dem Westen, ohne gemischt-dies, halb-jenes oder schwarz-anderes. Die Möglichkeit, dass schwarz zu sein in Europa nicht mehr unbedingt bedeutete, ein Immigrant zu sein.“ Biografisch gedacht heißt „Afropäisch“ in diesem Zusammenhang, die eigene Identität selbst zu bestimmen und eine Alternative zu Fremdzuschreibungen wie ethnischen Komposita zu etablieren.

„Afropäisch. Eine Reise durch das schwarze Europa“ ist insofern „ein Versuch, mit dem Persönlichen zu beginnen, um zum Universellen zu gelangen.“ Pitts‘ Verständnis von „Afropäisch“ ist denn auch persönlich geprägtes, ist es ihm doch ein Anliegen, dem Begriff seinen kosmopolitisch-elitär angehauchten Glamour zu nehmen und mit der Vielfalt an Lebensrealitäten schwarzer Europäer anzureichern. Unter dem Motto „Schönheit in schwarzer Banalität“ wird Begegnungen mit erfolgreichen Künstlern, Intellektuellen und Modeschöpfern ebenso Platz eingeräumt wie Gesprächen mit Geflüchteten, Obdachlosen, Arbeiter_innen oder Aktivist_innen. Das Genre der Reisereportage eignet sich für dieses Unterfangen insofern besonders, als es erlaubt, sich vom „Druck der Theorie“ zu befreien und über eigene und fremde Vorstellungen des jeweils anderen zu reflektieren. Bereist werden europäische Großstädte wie Paris, Brüssel, Berlin, Lissabon, Stockholm oder Moskau, zur Sprache kommen dabei unterschiedliche Themen wie politischer Protest, gesellschaftliche Marginalisierung oder Migration. Ebenso setzt sich Pitts mit medialer und musealer Repräsentation Afrikas in Europa, Klassenzugehörigkeiten und Rassismen auseinander, rückt Kreativität als auch Widerstand in den Fokus und verhandelt das Verhältnis von Zentrum und Peripherie. Städte sind für den Autor dabei dynamische Konvergenzpunkte unterschiedlichster Lebensrealitäten, in denen das schwarze Europa der zweiten, dritten und heutigen Generation besonders sichtbar ist. Seine Reportagen sind dabei keine Berichte über Diaspora-Communities, sondern das gleichzeitig anekdotische wie strukturierte Porträt einer vielfältigen und selbstbewusst gelebten afropäischen Kultur.

Zahlreiche (Gast-)Beiträge mit afropäischen Erfahrungen aus weiteren Städten (u.a. Wien) finden sich auf: afropean.com

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