Cover des Buches

Piketty, Thomas
Kapital und Ideologie
München: C.H. Beck, 2020. - 1312 S.
ISBN 9783406745713

ÖFSE-Signatur:

27610

Kapitalismus ; Soziale Ungleichheit ; Sozialstruktur ; Einkommensverteilung ; Vermögensverteilung ; Politisches System ; Kolonialismus ; Wirtschaftsordnung ; Wirtschaftsgeschichte ; Welt

Der französische Ökonom und Ungleichheitsforscher Thomas Piketty legt nach seinem Welterfolg „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ das nächste Mammutwerk vor: „Kapital und Ideologie“ schließt an das vorangegangene Werk an und befasst sich auf nicht weniger als 1312 Seiten mit dem ideologischen Unterbau sozialer Ungleichheit. Einleitend skizziert der Autor die Motivation zum neuen Band vor allem entlang jener Unzulänglichkeiten von „Das Kapital im 21. Jahrhundert“, derer er nach Erscheinung im diskursiven Austausch gewahr wurde. Zunächst nennt er dabei den eurozentrischen Fokus des Bandes, der unverhältnismäßig großes Augenmerk auf die Industriestaaten des Globalen Nordens gelegt hatte und dabei zu einer „erheblichen Verengung des Blicks und der Reflexion“ geführt habe. Vor allem aber habe er in seiner 2013 vorgelegten Analyse der ideologischen Dimension des Ungleichheitsregimes zu wenig Beachtung geschenkt.

Die 17 Kapitel gliedern sich dabei in vier Abschnitte, wobei in den ersten drei vor allem historische Entwicklungen analysiert werden: Piketty befasst sich dabei mit feudalen Gesellschaften, dem Kolonialismus und den mannigfaltigen Transformationen des 20. Jahrhunderts, an dessen Ausgang er den Hyperkapitalismus verortet. Dabei ist der Ökonom jedoch nicht an einer linearen, teleologischen Erzählung interessiert, sondern vermag in seiner Globalgeschichte der Ungleichheit differenziert unterschiedliche Produktionsbedingungen, Ursachen und Auswirkungen darzustellen. Verdeutlicht werden in diesem ideologiekritischen Unterfangen die jeweils unterschiedlichen Vorstellungen von gerechter Gesellschaft. Im vierten Abschnitt ändert sich die Perspektive schließlich, Piketty schreitet zur Analyse der gegenwärtigen Situation und zeigt nicht nur Ungleichheitsregime auf, sondern jeweils auch ihre ideologische Legitimationslogiken. Umfassende Kritik äußert er vor allem an der „proprietaristischen Heiligsprechung des Eigentums“ und der rechtfertigenden Erzählung einer gerechten Ungleichheit der Moderne, in der alle die gleichen Chancen auf Marktzugang und Eigentum hätten. Unterfüttert mit einer auch online in der World Inequality Database veröffentlichten Reihe an statistischen Daten unternimmt Piketty umfassende Analysen und diagnostiziert gesellschaftliche Schieflagen, die er mit radikalen Vorschlägen zu behandeln trachtet: Ein partizipativer Sozialismus des 21. Jahrhunderts enthält bei ihm fundamentale Steuerreformen und Umverteilungsmaßnahmen, ein universales Grundeinkommen oder gestärkte Mitbestimmung im Betrieb. Wiederholt betont der Ökonom seine grundlegende Überzeugung, wonach Ungleichheit weder natürlich entstanden, noch gerecht sei – sondern immer ideologisch konstruiert und legitimiert: „Die Ungleichheit ist keine wirtschaftliche oder technologische, sie ist eine ideologische und politische Ungleichheit.“

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