Cover des Buches

Hankel, Gerd
Das Dilemma
Entwicklungshilfe in Afrika. Ein Erfahrungsbericht
Springe: zu Klampen, 2020. - 150 S.
ISBN 9783866746077

ÖFSE-Signatur:

27611

Entwicklungszusammenarbeit ; Kongo ; Ruanda ; Erfahrungsbericht

Gerd Hankel beschäftigt sich in dem vorliegenden Band mit dem Dilemma der „Entwicklungshilfe“ in Afrika. Schon in der Verwendung der Anführungszeichen äußert sich die Skepsis, die der Völkerrechtler dem Begriff entgegenbringt, wenngleich ihm dieser der Realität angemessener erscheint, als der zeitgenössische, politisch korrekte Terminus „Entwicklungszusammenarbeit“. Die konkrete Bezeichnung erachtet er jedoch als zweitrangig, die Diagnose gilt universal: „Ob nun Hilfe oder Zusammenarbeit in der Entwicklung, die Bilanz ist nicht gut.“ Teils anekdotisch, teils systematisch argumentierend dekonstruiert Hankel die Illusion einer wirksamen Entwicklungszusammenarbeit und greift dabei auf Erfahrungen zurück, die er in der Demokratischen Republik Kongo und in Ruanda gemacht hat. Diese Konstellation zweier Länderbeispiele birgt insbesondere deshalb einiges an Brisanz, als diese beiden Staaten in der internationalen Rezeption völlig gegensätzlich figuriert werden: Auf der einen Seite der zentralafrikanische „Failed State“, der in den Medien mit Bürgerkriegen, Ebola-Epidemien und Wahlbetrug Schlagzeilen macht. Auf der anderen Seite dessen Nachbar, der ostafrikanische Kleinstaat Ruanda, der sich nach dem Genozid der 1990er-Jahre zum Liebling der internationalen Geberländer gemausert hat. Hankel unterläuft dieses polarisierende Narrativ und benennt Missstände hüben wie drüben. So kritisiert er etwa die Gacaca-Justiz und die autoritäre Herrschaft der Regierung im post-genozidalen Ruanda, dem vermeintlichen „Leuchtturm der Entwicklung“. In der D.R. Kongo wiederum ist es vor allem die grassierende Korruption, die der Autor anprangert. Europäischer Paternalismus und afrikanischer Eliten-Nepotismus vereinen sich so gegen die eigentlichen Adressat_innen der Hilfsbemühungen.

Hankel zeichnet ein desillusionierendes Bild der EZA-Praxis, skizziert aber auch mögliche Auswege aus den Dilemmata, die einen radikalen Schnitt bedeuten würden: Die imperiale Lebensweise des Globalen Nordens müsse durch eine solidarische Ausprägung abgelöst werden, welche die Bemühungen um nachhaltige Entwicklung nicht mehr sabotiere. Bezugnehmend auf Felwine Sarr und Joseph-Achille Mbembe befürwortet er weiters ein neues Zivilisationskonzept, das nicht mehr ausschließlich europäische Vorstellungen zur universalen Norm erhebe. Als essenziell erachtet Hankel abschließend eine zwingende Bindung der EZA-Mittel an die Einhaltung der Menschenrechte und verurteilt die flexible Handhabung des Menschenrechtsbegriffs etwa am Beispiel der deutschen Entwicklungspolitik. Hankels Band ist keine wissenschaftliche Auseinandersetzung, sie polemisiert, stellt kontroverse Thesen auf und macht von Vokabular Gebrauch, das nicht unproblematisch ist. „Das Dilemma“ ist jedoch keine Ablehnung der Entwicklungszusammenarbeit per se, sondern ein aus persönlicher Motivation heraus entstandener Versuch, alte Probleme neu anzupacken.

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