Cover des Buches

Stauffer, Beat
Maghreb, Migration und Mittelmeer
die Flüchtlingsbewegung als Schicksalsfrage für Europa und Nordafrika
Zürich: NZZ Libro, 2019. - 320 S.
ISBN 9783038103639

ÖFSE-Signatur:

27577

Migrationspolitik ; Ausländischer Arbeitnehmer ; Tunesien ; Maghreb ; Menschenschmuggel ; Erfahrungsbericht ; Aufnahmeland ; Europa ; Libyen ; Algerien ; Marokko ; Mauretanien

Die fünf Staaten des Maghreb fungieren für Europa de facto als Schutzwall gegen Migration, denn sie sichern nicht nur ihre Grenzen im Süden in Richtung der Sahelstaaten, sondern kontrollieren mit ihren Küstenwachen auch den Mittelmeerzugang Afrikas und vollziehen dadurch die Externalisierung der EU-Außengrenze mit. Libyen, Tunesien, Algerien, Marokko und Mauretanien spielen in der politischen Debatte Europas über Steuerung und Verhinderung von irregulärer Migration daher eine Schlüsselrolle, die europäischen Staaten sind auf enge Zusammenarbeit angewiesen: Zum einen garantieren die Maghrebstaaten die bereits erwähnte Abschottung Europas, zum anderen stellt nur ein stabiler, wirtschaftlich prosperierender Maghreb sicher, dass nicht auch aus den nordafrikanischen Staaten selbst große Fluchtbewegungen einsetzen. Beat Stauffer erachtet irreguläre Migration als das gegenwärtig größte gesellschaftliche Problem und sieht sein Buch als Korrekturhilfe gegenüber ideologischen „Wahrnehmungsverzerrungen“.

Sein Band umfasst journalistische Reportagen aus dem Maghreb, wobei der deutliche geografische Schwerpunkt auf Tunesien liegt. Stauffer berichtet von der Perspektivlosigkeit der Provinzortschaften, von desillusionierten Rückkehrer_innen und den Angehörigen der Geflüchteten. Er skizziert familiäre Konfliktlinien ebenso wie gesellschaftliche Brüche, berichtet vom Migrationsdruck und dem Stranden in der Transitzone Maghreb, besucht zahlreiche Schauplätze der Flucht und benennt Strukturen des Schlepperwesens. Vor allem aber lässt er jene zu Wort kommen, die in den europäischen politischen und medialen Diskursen meist nur als anonyme Masse adressiert werden: Migrationswillige, zumeist junge Menschen. Stauffer beschränkt sich dabei nicht nur auf die Schilderung der Lage und der Schicksale, sondern bettet seine Reportagen in den Kontext der europäischen Migrationspolitik ein und diskutiert eine Vielzahl an möglichen Handlungsoptionen und politischen Lösungsansätzen. Persönlich plädiert er dabei für einen pragmatischen Zugang und versucht sich an einer Balance zwischen Restriktionen und Chancen. Deutlich wird in diesem Band letztlich vor allem das fragile Verhältnis Europas zum Maghreb und die dringende Notwendigkeit, in beiderseitigem Interesse eine Partnerschaft auf Augenhöhe zu etablieren.

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