Cover des Buches

Nickoleit, Katharina
Bolivien
Ein Länderporträt
Berlin: Ch. Links, 2019. - 189 S.
ISBN 9783962890421

ÖFSE-Signatur:

27314

Bolivien ; Lebensbedingungen ; Geschichte ; Politik ; Kriminalität ; Sexuelle Gewalt ; Korruption ; Multinationales Unternehmen ; Bergbau ; Sozialer Konflikt ; Nachhaltige Entwicklung ; Kinderarbeit ; Drogenhandel ; Wirtschaftsentwicklung ; Armutsbekämpfung ; Privatwirtschaft ; Staudamm ; Klimawandel ; Wasserwirtschaft ; Biodiversität ; Aussenpolitik ; Immigration ; Religion ; Christliche Kirche ; Autoritäre Herrschaft

Bolivien als einziges Land der Welt, das jedem Besucher zumindest eine Straßenblockade garantiere – mit diesem Bonmot leitet die Journalistin Katharina Nickoleit ihr Länderporträt über den Andenstaat ein. Auf den folgenden knapp 200 Seiten thematisiert sie die konfliktreiche Geschichte, gesellschaftliche Zusammenhänge und politische Sonderwege - die „bloqueos“ genannten Straßensperren sind dabei nicht die einzige Konstante. So erzählt Nickoleit etwa von der kolonialen Ausbeutung der Silber- und Zinnvorkommen als auch der Privatisierung von Erdölvorkommen in den 1990er-Jahren und identifiziert diesbezüglich ein „nationales Trauma, einen Schatz zu besitzen, von dem andere profitieren.“ Das Modell des bolivianischen Neo-Extraktivismus, das die staatliche Ausbeutung der Rohstoffvorkommen intensiviert hat und die Profite für umfangreiche Sozialprogramme aufwendet, adressiert solcherart diese historischen Erfahrungen und steht exemplarisch für jenen fundamentalen Wandel, den Bolivien unter Präsident Evo Morales erfährt. Gleichzeitig veranschaulicht dieses rohstoffbasierte Entwicklungsmodell aber auch die Ambivalenzen der bolivianischen Sonderwege: Infrastrukturvorhaben und Rohstoffabbau werden zumeist auf Kosten massiver Eingriffe in die Umwelt und zum Leidwesen der lokalen Bevölkerung vorangetrieben, die Umsetzung prestigeträchtiger politischer Projekte erfolgt nicht selten unter Vernachlässigung demokratischer Grundsätze und in Konflikt mit der internationalen Staatengemeinschaft. Differenziert und ausgewogen stellt Nickoleit die bolivianischen Entwicklungsamibitionen vor, benennt Widersprüchlickeiten und lässt verschiedenste Akteur_innen zu Wort kommen.

Auf Grundlage ihrer mehr als zwanzigjährigen Korrespondententätigkeit in der Region zeichnet Nickoleit das Porträt eines Landes im Umbruch: Die Ära Morales hat dem Land eklatante Fortschritte im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsbereich, aber auch politische Stabilität und Souveränität gebracht. Dem gegenüber stehen Verletzungen der Pressefreiheit und demokratischer Strukturen, als auch eine intensivierte Ausbeutung der Ressourcen. Dieser Umstand verschärft die in Bolivien besonders ausgeprägten Effekte des Klimawandels zusätzlich und stellt insbesondere traditionelle Wirtschafts- und Lebensformen vor Existenzprobleme. Soll die andine Vision eines guten Lebens für alle („Buen vivir“) nicht bloße Utopie bleiben, wird es notwendig sein, diese widersprüchlichen Dynamiken zu adressieren – jedoch nicht nur in Bolivien.

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