Cover des Buches

Peters, Stefan
Rentengesellschaften
Der lateinamerikanische (Neo-)Extraktivismus im transregionalen Vergleich (Studien zu Lateinamerika ; Band 34)
Baden-Baden: Nomos, 2019. - 579 S.
ISBN 9783848753857

ÖFSE-Signatur:

27325

Stefan Peters geht in seiner umfangreichen Arbeit von der Grundannahme aus, dass Rentenforschung eine relative Leerstelle in der Entwicklungsforschung darstellt. Obwohl eine Vielzahl von Staaten des Globalen Südens von Einnahmen durch Rohstoffausbeutung abhängen, fehlte bislang dennoch eine systematische Analyse dieser Volkswirtschaften aus rententheoretischer Sicht. Durch eine Vernachlässigung eines derart tonangebenden Faktors läuft die Entwicklungstheorie laut Peters notgedrungenerweise Gefahr, Fehlschlüsse zu ziehen. Mit seiner Arbeit will er sich diesem Vakuum stellen und das Feld mittels neuer Impulse voranbringen. Durch eine Wiederbelebung der Rentenforschung verspricht er sich Innovation in der Entwicklungsforschung insgesamt.
Außerdem widersetzt sich die Arbeit der polaren Ausrichtung der Rohstoffforschung zwischen ressource curse und ressource blessing. In dieser Tradition geht es nämlich vor allem um die Frage, ob und wie Rohstoffabhängigkeit zum entwicklungspolitischen Fluch oder Segen wird. Eine ergebnisoffene Analyse jenseits dieser Dichotomie kann im Gegensatz dazu Erkenntnisse über ökonomische, gesellschaftliche, politische und auch sozio-ökologische Konsequenzen einer Rentengesellschaft liefern. Das Forschungsdesign ist darüber hinaus bemüht, dem eurozentrischen Tunnelblick zu entkommen, da die omnipräsente Annahme, das stilisierte okzidentale Wirtschaftsmodell sei das einzig anzustrebende, neue Erkenntnisse behindert.
Peters wendet sich jedoch nicht nur an Fachleute, die bereits tief im einschlägigen Diskurs involviert sind, sondern er bereitet die Materie detailliert und bei den Basics beginnend auf. Im Rückgriff auf Smith, Ricardo und Marx erklärt er die Grundsätze der Rententheorie und leitet bereits davon wesentliche Einsichten ab. So schafft es Peters von Kapitel Eins an zu demonstrieren, wie wichtig ein detaillierter Blick auf die Funktionsweise von Rentenwirtschaft ist, um Gesellschaftsdynamiken in den jeweiligen Staaten begreifen zu können.
Neben allgemeiner Rententheorie und generalisierenden Schlüssen widmet Peters einen beträchtlichen Abschnitt seiner Arbeit der empirischen Untersuchung Lateinamerikas, und hier wiederum besonders Venezuelas. Er nutzt diese Regionen als Quellen zur qualitativen Datenerhebung und für darauffolgende Rückschlüsse auf übergeordnete Theorieebenen. Somit handelt es sich bei dem Buch „Rentengesellschaften“ nicht um eine reine area study über Lateinamerika, sondern um eine komparative area study zum Globalen Süden, von welcher das gesamte Feld der Entwicklungsforschung profitieren kann.

C3-Bibliothek für Entwicklungspolitik

Sensengasse 3
1090 Wien
+ 43 (0)1 317 40 10-200
bibliothek@centrum3.at

>> So kommen Sie zu uns

Öffnungszeiten

Mo-Di: 9.00-17.00 Uhr
Mi-Do:9.00-19.00 Uhr
Fr:9.00-14.00 Uhr

Vorwissenschaftliches Arbeiten im C3
> mehr Information