Cover des Buches

McMahon, Patrice C.
Das NGO-Spiel
Zur ambivalenten Rolle von Hilfsorganisationen in Postkonfliktländern
Hamburg: Hamburger Edition, 2019. - 308 S.
ISBN 9783868543315

ÖFSE-Signatur:

27306

Bosnien und Herzegowina ; Kosovo ; Friedenssicherung ; Konfliktmanagement ; Nichtstaatliche Organisation ; Zivilgesellschaft

Postkonfliktländer erleben in der Phase der Friedenskonsolidierung einen wahren „NGO-Boom“, während dessen sich zahlreiche internationale und lokale Organisationen ansiedeln oder neu gründen, sowie um Aufmerksamkeit und finanzielle Mittel konkurrieren, so die Politikwissenschaftlerin Patrice C. McMahon. Das Aufkommen dieses Phänomens verortet sie am Ende des Kalten Krieges, als die Erosion der bipolaren Weltordnung und der damit einhergehende Rückzug von Staatlichkeit Lücken geschaffen habe, die durch NGOs eingenommen werden konnten. Aus der Faszination für diesen „explosionsartigen Boom“ entwickelt ihre Studie „Das NGO-Spiel“ eine empirische Analyse der Präsenz von nicht-staatlichen Organisationen in Postkonfliktländern, die eine kritische Position einnimmt und provokante Thesen formuliert: Den guten Absichten zum Trotz hätte die Präsenz von NGOs in Postkonfliktgesellschaften hinsichtlich einer Stabilisierung des Friedens häufig eine kontraproduktive Wirkung. Die Autorin hinterfragt die Unabhängigkeit der Organisationen, deren Existenz und Ressourcenausstattung wesentlich vom Wohlwollen westlicher Regierungen abhängen. Zudem sei von einer partnerschaftlichen Kooperation auf Augenhöhe mit lokalen Initiativen und Stakeholdern kaum die Rede: Der Großteil der finanziellen Mittel verbleibe bei den internationalen Organisationen oder würde an lokale Eliten weitergereicht. Nach wenigen Jahren ziehe der „humanitäre Zirkus“ schließlich in die nächste Konfliktregion weiter und hinterlasse eine fragile Zivilgesellschaft, geschwächte staatliche Institutionen und enttäuschte Hoffnungen.

McMahons Studie basiert auf mehr als einem Jahrzehnt Feldforschung in Bosnien und dem Kosovo, andere behandelte Fallbeispiele betreffen etwa Vietnam oder Haiti. „Das NGO-Spiel“ zeichnet solcherart ein diachrones Panorama des internationalen Hilfsregimes und verhandelt die Konjunktur des NGO-Engagements – das „Goldene Zeitalter“ der Nichtregierungsorganisationen ist McMahon zufolge Vergangenheit: Jährlich entstehen weniger NGOs und Skepsis schlägt ihnen nicht nur vonseiten der Zivilgesellschaft entgegen, auch Regierungen fahren einen zunehmend repressiven Kurs gegenüber den Organisationen. Schlussendlich stelle sich außerdem ohnehin die Frage, ob die westlichen Staaten, die internationale Aid-Architektur und die hieran beteiligten NGOs denn wirklich ein Interesse an Veränderung hätten oder lediglich Machterhalt und Selbstlegitimation betrieben.

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