Cover des Buches

Awet, Kessete
Die Darstellung Subsahara-Afrikas im deutschen Schulbuch
Gesellschaftslehre, Erdkunde, Geschichte und Politik der Sekundarstufe I (Gesamtschule) in Nordrhein-Westfalen
Opladen [u.a.]: Budrich UniPress, 2018. - 284 S.
ISBN 9783863887995

ÖFSE-Signatur:

27257

Deutschland BR ; Afrika ; Lehrbuch ; Unterricht ; Kolonialismus ; Lehrplan ; Rassismus ; Ethnozentrismus ; Interkulturelle Erziehung ; Globales Lernen ; Kulturkontakt

Schulbücher sind nicht nur im Unterricht maßgebliche und oftmals strukturgebende Lehrmittel, sie haben auch gesellschaftliche Relevanz als Vermittler unterschiedlicher Lebensrealitäten und als epistemologische Instanz. Der Sozialpädagoge und Bildungswissenschaftler Kessete Awet leitet seine Dissertation mit einer biografischen Fußnote ein, in der er die Diskrepanz zwischen der Darstellung afrikanischer Gesellschaften und seinen eigenen Erfahrungen im Geburtsland Eritrea akzentuiert. Im Folgenden führt er eine qualitative und quantitative Inhaltsanalyse von Unterrichtswerken der nordrhein-westfälischen Sekundarstufe I (Gesamtschule) durch. Die Untersuchung umfasst 28 für den Lehrbereich Gesellschaftslehre, Erdkunde, Geschichte und Politik zugelassene Schulbücher, das Forschungsinteresse bezieht sich auf die dort präsenten Darstellungen Subsahara-Afrikas.

Für die überwiegende Mehrheit der Schulbücher konstatiert Awet stark verkürzte, stereotype, bisweilen rassistische und marginalisierende Repräsentationen: So sei das deutsche Schulbuch konsequent durchzogen von problematischem Vokabular, fragwürdiger Bildsprache und der Reproduktion von klischeehaften Narrativen eines Krisenkontinents. Insbesondere globalgeschichtliche Bezüge und die kolonialen Verstrickungen des Globalen Nordens mit der Region erhalten in den untersuchten Werken kaum Berücksichtigung, höchstens in Form euphemistischer Erzählungen. Insofern zieht der Autor ein ernüchterndes Resümee über die Schulbuchlandschaft und stellt die aktuellen Mechanismen der Lehrmittelentwicklung und staatlichen Zulassung kritisch infrage. Abschließend formuliert er Perspektiven für das Gelingen zukünftiger Schulbücher und nennt etwa Multiperspektivität als didaktisches Grundprinzip. Zudem erscheint es ihm notwendig, globalgeschichtliche Perspektiven stärker zu betonen, um eurozentrische Kurzsichtigkeit zu überwinden und den Schulunterricht als explizit antirassistische Praxis zu konzipieren. Adressat_innen dieser Arbeit sind insofern neben gesellschaftspolitisch Interessierten vor allem Multiplikator_innen des Bildungsbereiches.

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