Cover des Buches

Krämer, Anna Maria
Repräsentationen von Staat in Afrika
Postkoloniale Kritik eines Diskurses (Entwicklungstheorien und Entwicklungspolitik ; 19)
Baden-Baden: Nomos, 2019. - 427 S.
ISBN 9783848751525

ÖFSE-Signatur:

24295/19

Afrika ; Staat ; Staatstheorie ; Ideengeschichte ; Kolonialismus ; Kolonialpolitik ; Afrikapolitik ; Geschichtswissenschaft ; Rassismus ; Sklaverei ; Religion ; Gender ; Nationalismus ; Geographie ; Völkerrecht ; Staatshoheit ; Staatszerfall ; Fragile Staaten ; Widerstand ; Afrikaforschung ; State Building ; Klientelismus


Hegemoniale Repräsentationen sprechen den Staaten in Afrika oftmals Staatlichkeit gänzlich ab, oder verhandeln diese nur unter dem Label der fragile, weak oder failed states. Die Politikwissenschaftlerin Anna Maria Krämer befasst sich in ihrer Dissertation mit der „Leerstelle“ Staatlichkeit innerhalb der Diskurse über den afrikanischen Kontinent bzw. seinen Staaten und stellt diese in Beziehung zur Kolonialzeit. Indem sie gegenwärtige politikwissenschaftliche Diskurse über Afrika mit historischen Repräsentationen kontrastiert, zeigt sie dabei koloniale Kontinuitäten und stabile Machtverhältnisse auf.

Als zentrales diskursives Ereignis fungiert die Berliner Konferenz von 1884/85 (auch als Kongokonferenz bzw. Westafrikakonferenz bekannt), anhand der Krämer die z. T. sehr widersprüchlichen Darstellungen Afrikas im europäischen Kolonialdiskurs veranschaulicht und genealogisch rekonstruiert, auf Basis welcher Argumentationslinien (etwa zivilisiert vs. nicht-zivilisiert) afrikanischen Staaten die Souveränität abgesprochen wurde – und wird. Parallelen entdeckt die Autorin dabei etwa beim politischen Diskurs zu sog. „gescheiterten Staaten“ („failed states“), welcher aus einer Überlegenheitsposition gerne die moralische Pflicht, in solchen Staaten intervenieren zu müssen, ableitet. Deutlich wird dabei, dass Überlegungen zu Staatlichkeit in Afrika zumeist die hegemonialen Konzeptionen des Globalen Nordens, was ein Staat ist und sein soll, nicht transzendieren. Solcherart verbleibt die Auseinandersetzung mit staatlichen Strukturen und Organisationsformen lediglich eine Negativ-Definition, die sich auf Differenzen und Defiziten versteift. Abschließend formuliert Krämer daher Perspektiven einer postkolonialen Konzeptualisierung von Staatlichkeit in Afrika, die handlungszentriert arbeiten, das Verhältnis von Staat und Gesellschaft verhandeln und die historische Genese von Staatlichkeit berücksichtigen.

C3-Bibliothek für Entwicklungspolitik

Sensengasse 3
1090 Wien
+ 43 (0)1 317 40 10-200
bibliothek@centrum3.at

>> So kommen Sie zu uns

Öffnungszeiten

Mo-Di: 9.00-17.00 Uhr
Mi-Do:9.00-19.00 Uhr
Fr:9.00-14.00 Uhr

Vorwissenschaftliches Arbeiten im C3
> mehr Information