Cover des Buches

Mujila, Fiston Mwanza
Tanz der Teufel
Wien: Zsolnay, 2022. - 288 S.
ISBN 9783552072770

ÖFSE-Signatur:

AF-MWA(b)-02

 Angola ; Kongo, Demokratische Republik ; Belletristische Darstellung

Es geht wieder rund in Fiston Mwanza Mujilas zweitem Roman: „Tanz der Teufel“ knüpft mit wuchtigem Drive und einer tumultuösen Poetik nahtlos am Debüt „Tram 83“ (2016) an. Verortet ist der aktuelle Roman im Grenzgebiet zwischen Angola und dem Kongo, der in den 1990er-Jahren während des Mobutu-Regimes freilich noch Zaire heißt und von schweren Unruhen erschüttert wird. Umso mehr scheinen die angolanischen Diamantminen und ihr gefährliches Umfeld einen Ausweg aus dem Elend zu verheißen, grell locken sie Glücksritter aller Milieus an. Abermals fährt der kongolesische, in Graz lebende und lehrende Schriftsteller ein buntes Figurenensemble auf, das Glücksritter und Kleinkriminelle, Straßenkinder sowie eine „Madonna der Minen“ rekrutiert und als Bonus auch noch eine verkrachte Schriftstellerexistenz aus St. Pölten nach Zaire versetzt. Alle vollführen sie in der Spelunke „Mambo de la fête“ den „Tanz der Teufel“ und geben sich der Rumba, „diesem Opium des Volkes“ hin: „Plötzlich schrie ein als Tante gekleideter Kerl – oder eine Frau im Knabenkostüm, wen interessiert’s – aus voller Kehle: »Tanz der Teufel« Der arme DJ hatte keine Lust auf die Kindereien der erregten Meute, aber sie schimpften und beleidigten ihn bis in die fünfte Generation. Sobald die ersten Töne erklangen, stürmten alle Leute, die draußen vor dem Schuppen herumlungerten, ins Mambo – Bettler, Kleinganoven, Amateurdiebe, abgehalfterte Zuhälter, einstige Größen des zairischen Fußballs, abgebrannte Alkoholiker, potenzielle Spione, Banditen, Papasöhnchen, Ingenieure, Lehrer im Anzug oder im Brautkleid. Es war, als wäre eine Schießerei im Gange oder als hätte irgendein Spinner eine Gasflasche in die Luft gejagt, so sehr rannten die Leute. Als hätten sie in ihrem ganzen Leben noch keinen Ton Musik gehört. Die Begeisterung grenzte an Wahnsinn.“ Mit magischem Realismus, halluzinativem Drift und lakonischer Sprache zieht „Tanz der Teufel“ nicht nur ästhetisch in den Bann, sondern bietet unterschiedliche (entwicklungs-)politische Anknüpfungspunkte an. Illustriert wird etwa das prekäre Leben der Garimpeiros, junger Kongolesen, die informell und unter Lebensgefahr in den Minen nach Diamanten schürfen, ständig präsent sind globale Ausbeutungsverhältnisse, fragile Staatlichkeit, bewaffnete Konflikte und Aushandlungsprozesse einer postkolonialen Gesellschaft. Fiston Mwanza Mujilas neuer Roman besticht abermals mit hoher Musikalität und lebt seine rasante Erzählfreude aus. Vor einem Bühnenbild des Scheiterns lässt der Autor seine Figuren den Goldrausch träumen.

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