Cover des Buches

Umstrittene Expertise
zur Wissensproblematik der Politik (Leviathan Sonderband ; 38)
Sebastian Büttner et al. (Hrsg.)
Baden-Baden: Nomos, 2021. - 494 S.
ISBN 9783848782840

ÖFSE-Signatur:

28084

Beratung ; Einflussnahme ; Expertise ; Politische Entscheidung

Globale Krisen wie der Klimawandel oder die Covid-19-Pandemie zeigten die Umstrittenheit von Expertise in der Politik, halten die Herausgeber_innen des Leviathan-Sonderheftes einleitend fest. Doch die besondere Rolle von Expertise im politischen Diskurs sei weder erst seit der aktuellen Pandemie relevant geworden, noch wäre sie vorab nicht wahrgenommen worden. Die Provenienz der im Sonderband dieser soziologischen Zeitschrift versammelten Beiträge zeigt dies deutlich, entstammen sie doch mehrheitlich einer bereits vor Covid-19 angesetzten und organisierten Tagung, die unter dem Titel „Umstrittene Expertise. Konflikte um den Status von Expertenwissen in der Politik“ 2020 stattfand. Identifiziert werden unterschiedliche Konfliktdimensionen, die etwa Status und Rolle von Expertise in politischen Entscheidungsprozessen betreffen, die Geltung von Expert_innen-Wissen grundlegend infrage stellen und zum Gegenstand politischer Auseinandersetzung machen oder politische Konflikte zu epistemischen Deutungskämpfen des besseren Wissens zwischen Expertise und Gegen-Expertise umgestalten. Diesen Konfliktlinien folgend widmen sich die Beiträge verschiedenen Akteur_innen, Aspekten, Themenbereichen und Dynamiken mit unterschiedlichen methodischen und theoretischen Zugängen. Diskutiert werden grundlegend etwa die Bedeutung alternativer Fakten für die politische Kommunikation oder das Spannungsverhältnis von Politik und Wissenschaft. Ein weiterer Beitrag versucht, eine Heuristik der unterschiedlichen Formen der Infragestellung von Expertise zu entwerfen und politische Lösungsansätze für diese Konflikte zu formulieren. Konflikte um Expert_innen und die Rolle ihrer Einschätzungen in gesellschaftlichen Krisen (etwa der Covid-19-Pandemie) werden ebenso untersucht wie Dynamiken externer Politikberatung durch politische Institutionen. Im Kontext der Klimapolitik wird etwa die Bedeutung wissenschaftlicher Expertise für Mobilisierungsprozesse und Legitimation sozialer Bewegungen wie Fridays for Future herausgearbeitet oder Statusdarstellungen von Expert_innen in Klimawandelromanen aus literatursoziologischer Perspektive analysiert. Die globale Dimension von Expertise erfährt wiederum in Beiträgen zu internationalen Organisationen Berücksichtigung, wobei etwa die epistemische Autorität von Expert_innen-Organisationen oder Rankingorganisationen behandelt werden. Zusätzliche Dynamik hat das Schwerpunktthema dieses Bandes zweifelsohne durch die Covid-19-Pandemie, die Legitimation von Eindämmungsmaßnahmen durch Expert_innen-Einschätzungen, Verschwörungstheorien und umstrittene Evidenzverweise erhalten. Reflektiert werden diese aktuellen Entwicklungen etwa in Hinblick auf verschiedene Typen an Expert_innen, deren Einbindung in politische Entscheidungen aus verfassungsrechtlicher Perspektive oder in Einblicken in die Querdenker_innen-Szene.

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