Cover des Buches

Grill, Bartholomäus
Wir Herrenmenschen
Unser rassistisches Erbe: eine Reise in die deutsche Kolonialgeschichte
München: Siedler, 2019. - 299 S.
ISBN 9783827501103

ÖFSE-Signatur:

27035

Deutschland vor 1945 ; Deutschland BRD ; Deutschland BR ; Ghana ; Togo ; Kamerun ; Namibia ; Tansania ; Ruanda ; Burundi ; China vor 1949 ; Südpazifische Inseln ; Kolonialismus ; Geschichte ; Afrikapolitik ; Soldat ; Militär ; Kollektives Gedächtnis ; Vergangenheitspolitik ; Genozid ; Sklaverei

Die deutsche Kolonialzeit wird nicht selten verharmlost, da sie in Relation zu kolonialen Ambitionen anderer europäischer Staaten eher kurz ausfiel. Dem stellt sich Grill allerdings vehement entgegen. Nicht zuletzt innerhalb seines familiären Umfeldes beobachtet der Autor, wie koloniale und rassistische Motive das Denken Deutscher anhaltend bestimmen. Daher erzählt er die Geschichte der deutschen Kolonialgebiete und der Implikation für Menschen in Deutschland wie in Afrika in umfassender Weise in seinem Buch. Allerdings geht er über die Chronologie der Besetzung und Fremdherrschaft hinaus und beleuchtet außerdem, woher die rassistischen Weltbilder, die so tief in manchen Köpfen zu stecken scheinen, kommen. Unter Einbezug afrikanischer Stimmen kritisiert er deutsche Selbst- und Fremdwahrnehmung und versucht so, Leser_innen die Augen zu öffnen für koloniale Verbrechen in der eignen Vergangenheit und Gegenwart.

Grill scheut sich auch nicht vor besonders kontroversen Themen: Ein Kapitel widmet er dem Krieg der Deutschen gegen die Herero und behandelt eingehend Differenzen unter Historiker_innen, wenn es um die Kategorisierung kolonialer Gräuel geht. Er selbst spricht sich dagegen aus, einen Genozid in diesem Kontext zu konstatieren - nicht weil er die grausamen Ausmaße der Geschehnisse leugnen möchte, sondern weil er im deutschen Vorgehen kein Alleinstellungsmerkmal innerhalb allgemeiner kolonialer Praktiken sieht. Seine These ist provokant und gibt Anlass für emotionale Debatten, in jedem Fall ruft sie zu intensiver Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit auf.

 

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